Das Leben verliert seinen Glanz – niedergeschlagen, antriebs- und interesselos schleppen sich Millionen von Menschen durchs Leben. In schweren Fällen von Depression besteht auch Suizidgefahr. Die Ursachen von Depressionen gelten als vielschichtig – Veranlagungen, Erfahrungen aber auch neurologische Aspekte spielen eine Rolle. Neben psychotherapeutischen Behandlungen kommen häufig Medikamente zum Einsatz, die einen stimmungsaufhellenden Effekt erreichen sollen. Klar scheint, dass Depressionen in vielen Fällen etwas mit dem Neurotransmitter Serotonin im Gehirn zu tun haben. Dieser Botenstoff ist an der Entstehung vieler Empfindungen beteiligt.
Die stimmungsaufhellende Wirkung der SSRIs beruht in diesem Zusammenhang auf einem Eingriff in das serotonerge System: Sie erhöhen das verfügbare Serotonin an den Verbindungen der Neuronen, indem sie dort die natürliche Wiederaufnahme des Botenstoffs hemmen. Daher kommt die Bezeichnung Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer für diese Gruppe der Antidepressiva.
Was ist bei den SSRI-resistenten Patienten anders?
Im Verlauf des bereits langen Einsatzes dieser Wirkstoffe in der Therapie hat sich abgezeichnet, dass SSRIs zwar vielen Patienten gut helfen können, bei etwa 30 Prozent tritt allerdings keine Besserung ein. Warum diese doch recht große Gruppe nicht auf die Behandlung anspricht, ist bislang unklar. Der Erforschung dieser Frage widmen sich die Wissenschaftler um Rusty Gage vom Salk Institute in La Jolla. Ihr Fokus liegt dabei auf der Untersuchung spezieller Neuronen des Gehirns, die bei der Serotonin vermittelten Kommunikation besonders wichtig sind.
Der knifflige Aspekt ihrer Forschung ist: Wie lassen sich lebende Neuronen von Patienten untersuchen? Es ist nicht möglich, ihnen diese Nervenzellen zu Versuchszwecken aus dem Gehirn zu entnehmen. Aus diesem Grund wählten die Forscher einen Weg, den die moderne Stammzelltechnologie eröffnet: Sie nutzen im Labor erzeugte Neuronen, die sie aus Hautzellen von Depressions-Patienten gezüchtet haben.
Bei den Probanden handelte es sich um Personen, die zur Behandlung ihrer Depressionen mit SSRIs behandelt worden waren. Aus den rund 800 Patienten wählten die Forscher die extremsten Fälle von SSRI-Reaktionen aus: Patienten, die von der Einnahme von SSRIs stark profitiert haben sowie Patienten, bei denen keinerlei Wirkung eingetreten war. Das Team entnahm diesen Probanden Hautproben und programmierte die gewonnen Zellen anschließend im Labor in induzierte pluripotente Stammzellen (iPSCs) um. Aus diesen züchteten sie dann die speziellen Hirn-Neuronen, die sie untersuchen wollten.
Hyperaktiv und „langarmig“
Wie die Forscher in ihrer ersten Studie zum Thema vor etwa einem Monat berichtet haben, stellten sie eine interessante Besonderheit bei den Nervenzellen der SSRI-resistenten Patienten fest: Sie reagieren hyperaktiv auf Serotonin. Möglicherweise führt eine Erhöhung des Botenstoffs am synaptischen Spalt durch den Einsatz von SSRIs deshalb zu keinem Effekt, der sich günstig auf die Symptome auswirkt, erklären die Forscher. In ihrer zweiten Studie berichten sie nun über weitere Besonderheiten der Neuronen der der SSRI-resistenten Patienten.





