Hitze, Trockenheit und starke Winde sorgen derzeit in Spanien und Frankreich für Waldbrände, die sich rasch ausbreiten und kaum zu löschen sind. Hunderttausende Menschen mussten ihre Häuser verlassen; mehrere Feuerwehrleute sind bei dem Kampf gegen die Flammen ums Leben gekommen. In Frankreich hat sich zudem eine Pyrocumulonimbus-Wolke, auch genannt Feuerwolke, gebildet, die das Feuer weiter anfacht.
Was sind Feuerwolken?
Eine gefürchtete Folge heftiger Waldbrände sind sogenannte Pyrocumulonimbus-Wolken. Sie entstehen, wenn sich die Luftmassen am Boden so stark erhitzen, dass sie rasch aufsteigen, dabei Asche, Rauch und Wasserdampf mit sich reißen und bis in die Stratosphäre schleudern – fast wie ein Vulkanausbruch. Trifft die aufgeheizte Luft auf kühlere Luftschichten, entstehen starke Winde, die die Flammen weiter anfachen. Zudem bilden sich riesige Gewitterwolken, die meist wenig Regen, aber umso mehr Blitze mit sich bringen und oft weitere Feuer entzünden.
Bisher traten solche Feuerstürme vor allem in Australien, Kanada und Teilen der USA auf. In Europa dagegen sind sie extrem selten. In Frankreich wurde dieses Phänomen noch nie zuvor beobachtet.
Sind Waldbrände intensiver geworden?
Doch nicht nur die entstandene Feuerwolke macht die aktuellen Waldbrände außergewöhnlich. Auch ihre Ausdehnung und Intensität hat Rekordmaße erreicht: In Frankreich sind bereits jetzt 40 Prozent mehr Fläche verbrannt als bei den schlimmsten Feuern früherer Jahre. Die von NASA-Satelliten gemessene Energiefreisetzung der Brände liegt doppelt so hoch wie der bisherige Rekord für den Monat Juli.
Europaweit sind seit Beginn des Jahres nach Angaben des European Forest Fires Information System (EFFIS) der Europäischen Kommission bis zum 22. Juli dieses Jahres 254.388 Hektar Waldfläche verbrannt – eine Fläche fast so groß wie das gesamte Saarland. Das ist fast doppelt so viel wie der Durchschnitt der letzten 20 Jahre. Nur das Jahr 2025 übertraf diesen bitteren Rekord mit einer verbrannten Fläche von 270.449 Hektar. Da EFFIS nur Waldbrände ab 30 Hektar erfasst, liegen die tatsächlichen Zahlen noch höher.
Welche Rolle spielt der Klimawandel?
Der Klimawandel sorgt dafür, dass sich Niederschläge ungleichmäßiger verteilen und Extremwetterlagen zunehmen. Ausgedehnte Dürreperioden wechseln sich mit kurzen, aber heftigen Starkregen ab, die von den ausgetrockneten Böden nicht mehr aufgenommen werden können und Überschwemmungen verursachen. Sowohl Dürren als auch übermäßige Regenfälle schwächen die Widerstandskraft der Vegetation. Insbesondere nach längeren Trockenperioden sind die Pflanzen ausgedörrt und damit leicht brennbar.
Umgekehrt heizen Waldbrände den Klimawandel weiter an. Denn wenn die Bäume verbrennen, setzen sie auf einen Schlag den über Jahrzehnte in ihrer Biomasse gespeicherten Kohlenstoff in Form von CO2 frei. „Wenn nach Bränden aufgrund der veränderten Klimabedingungen nicht die gleiche Wald- oder Offenlandvegetation nachwachsen kann und wenn die Böden degradieren, verbleibt der Anteil des CO2, das nicht mehr gebunden werden kann, in der Atmosphäre“, berichtet die Max-Planck-Gesellschaft. Bereits von Anfang Januar bis Mitte Juli 2026 wurden gemäß EFFIS-Daten europaweit mehr als acht Millionen Tonnen CO2 durch Waldbrände freigesetzt.
Was bedeutet das für Mitteleuropa?
Galten Waldbrände traditionell als ein Problem südlicherer Regionen, werden sie zunehmend auch in den ursprünglich gemäßigten Regionen Mitteleuropas zum Risiko. „Bedingt durch den Klimawandel stellen sich seit einigen Jahren vermehrt Großwetterlagen ein, die warme und trockene Luftmassen von Nordafrika über Südwesteuropa bis nach Mitteleuropa bringen und damit auch Hitzewellen und anhaltende Trockenheit“, sagt Johann Georg Goldammer, Leiter des Global Fire Monitoring Center (GFMC) am Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz. „Anhaltende Hochdruckgebiete blockieren die Westwinddrift und damit das Nachrücken von Tiefdruckgebieten mit Niederschlägen.“
Das führt auch in Deutschland immer häufiger zu heißen und trockenen Bedingungen, die Wälder anfällig für Feuer machen. Kommt dann noch Wind hinzu, können sich die Flammen schnell ausbreiten und große Flächen verschlingen.
Wie entzünden sich Wälder in Deutschland?
„Häufig wird unterschätzt, dass die weit überwiegende Zahl der Waldbrände hierzulande menschengemacht sind, unmittelbar etwa durch Brandstiftung, oder mittelbar und fahrlässig beispielsweise durch Grillen im Wald mit dem Hintergedanken: ‚Ich bin doch direkt am See‘“, sagt Tanja Sanders vom Institut für Waldökosysteme des Johann Heinrich von Thünen-Instituts in Eberswalde. Besonders gefährdet sind deshalb Wälder in der Nähe von Siedlungsräumen.
Auch landwirtschaftliche Maschinen können zur Brandquelle werden, wenn sie heiß laufen oder Funken schlagen, etwa wenn das Schneidwerk eines Mähdreschers einen Stein erwischt. Die auf den Feldern entstehenden Brände können auf benachbarte Wälder oder Siedlungen übergreifen.
Was ist mit Blitzen?
Natürliche Ursachen wie Blitzeinschläge entfachen in Deutschland dagegen nur etwa ein bis fünf Prozent der Waldbrände. Zwar können durch Blitze ausgelöste Feuer schwer zu bekämpfen sein, da sie auch in sehr unzugänglichem Gelände auftreten können und teils tagelang schwelen, bevor sie bemerkt werden und trockenere Bedingungen und Wind ihre Ausbreitung begünstigen. Doch da Gewitter hierzulande meist mit Regen einhergehen, werden die meisten Feuer nach Blitzeinschlägen auf natürliche Weise gelöscht, bevor sie sich ausbreiten können. In anderen Regionen der Welt, darunter Kanada und Sibirien, sind Blitzeinschläge dagegen für etwa 20 bis 30 Prozent der Waldbrände verantwortlich.
Welche Probleme entstehen durch alte Munition?
In Teilen Deutschlands erhöhen Altlasten von in Wäldern vergrabener Munition das Brandrisiko massiv. Bei Hitze können sie sich selbst entzünden und nahezu unlöschbare Feuer verursachen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Feuerwehr aus Sicherheitsgründen üblicherweise nicht näher als 1000 Meter an solche Munitionsbrände heran darf. „In Brandenburg gelten rund 575.000 Hektar als munitionsverdächtig, darunter 300.000 Hektar Wald, was etwa einem Drittel der gesamten Waldfläche des Landes entspricht“, berichtet Lindon Pronto von der Waldbrand-Klima-Resilienz-Initiative. Die zehn größten Waldbrände Brandenburgs seit 2002 lagen alle in diesen Flächen.
„Das ist ein wiederkehrendes Problem, und wir wissen seit Jahrzehnten, wo diese Flächen liegen. Sie sind kartiert, sie sind bekannt, sie brennen wiederholt, teilweise mehrfach an denselben Stellen“, sagt Pronto. „Trotzdem beginnt bei jedem Ereignis dieselbe Improvisation von vorne.“ Er kritisiert, dass eine strukturelle Lücke zwischen Kampfmittelbeseitigung, Forstwirtschaft, Naturschutz und Gefahrenabwehr besteht. Wichtig seien koordinierte Schutzkonzepte, die beispielsweise eine Reduzierung des brennbaren Materials auf Risikoflächen sowie das Anlegen von vegetationsfreien Schutzstreifen. „Investitionen in die Prävention sind gegenüber der Reaktion nicht nur erheblich wirksamer, sondern auch deutlich günstiger“, so Pronto.
Wie beeinflusst die Zusammensetzung der Wälder das Brandrisiko?
Rund ein Viertel der deutschen Waldfläche besteht aus Fichtenmonokulturen. Diese leiden besonders unter Hitze und Trockenheit und werden durch den Umweltstress anfälliger für Schädlinge wie Borkenkäfer. Wenn sich das trockene Holz entzündet, breitet sich das Feuer rasch aus und ist schwer zu bekämpfen. Auch Kiefernwälder sind besonders brandgefährdet. Ihre langen Nadeln bilden auf dem Boden eine Streuschicht, die bei einem Feuer besonders schnell und heiß verbrennt. „Auch das lichte Kronendach, unter dem sich eine üppige Gras- und Krautschicht entwickeln kann, trägt zu einer hohen Waldbrandgefahr bei“, erklärt Jürgen Bauhus vom Institut für Forstwissenschaften der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.
Laubbäume dagegen können das Waldbrandrisiko sogar senken. „Laubbäume beschatten den Boden, unterdrücken so den leicht brennbaren Grasunterwuchs und wirken beim Abbrennen selbst deutlich feuerhemmender als Kiefernstreu“, erläutert Sanders. Um Wälder besser gegen verheerende Brände zu wappnen, ist es demnach hilfreich, Monokulturen zu strukturreichen Mischwäldern mit einem hohen Anteil an Laubbäumen umzugestalten. Bei zusammenhängenden Flächen mit Nadelbäumen können Schutzstreifen aus Sand oder Laubbäumen die Ausbreitung von Bränden bremsen.
Ist die Brandgefahr auf Wälder beschränkt?
„Landschaftsbrände betreffen nicht nur Wälder, sondern vor allem auch Offenland-Ökosysteme – darunter insbesondere waldfreie beziehungsweise nur teilweise bewaldete Naturschutzgebiete einschließlich Feuchtgebiete, landwirtschaftliche Flächen und Randlagen von Ortschaften und kritischen Infrastrukturen“, berichtet Goldammer.
Obwohl in Deutschland nur Waldbrände statistisch erfasst werden, zeigen Satellitendaten, dass in manchen Jahren mehr Flächen durch andere Arten von Landschaftsbränden den Flammen zum Opfer fallen. Goldammer plädiert deshalb dafür, das Augenmerk nicht nur auf Wälder zu begrenzen und auch andere Kulturlandschaften an das steigende Waldbrandrisiko anzupassen.
Welche langfristigen Nachwirkungen haben Landschaftsbrände?
Wald- und Landschaftsbrände bedeuten nicht nur akute Gefahr für Menschenleben, Infrastruktur und Natur, sondern haben auch langfristige Konsequenzen. „Durch Vegetationsverbrennung können gesundheitsgefährdende Stoffe entstehen oder verfügbar werden, die unter anderem sowohl die Luft- als auch die Wasserqualität beeinflussen können“, sagt Elisabeth Dietze vom Institut für Geographie der Georg-August-Universität Göttingen. Für Menschen aus betroffenen Regionen kann das ein anhaltendes Gesundheitsrisiko bedeuten. „Auch die Abflussdynamik auf Waldbrandflächen verändert sich, was nach großen Bränden in Mittelgebirgen den Hochwasserschutz beeinflussen kann.“
Welche Maßnahmen helfen bei der Brandprävention?
Um große Waldbrände zu verhindern, empfehlen Fachleute, brennbares Material am Waldboden zu reduzieren. Herabgefallene dünne Äste sollten regelmäßig entfernt werden, Stapel aus aufgeschichteten Baumstämmen gilt es zu vermeiden. „Ein ‚Mikado‘ aus aufgeschichtetem Sturmholz, wie es nach Windwurfereignissen entsteht, ist hochgefährlich“, warnt Sanders. „Die ausgetrockneten Stämme sorgen dafür, dass sich Feuer schnell und mit hoher Intensität ausbreitet.“ Eine Möglichkeit, um potenziell feuerfördernden Bewuchs am Boden zu reduzieren, ist eine Beweidung von Wäldern durch Schafe und Ziegen. „In Deutschland gibt es bisher nur Pilotprojekte, in Spanien oder den Vereinigten Staaten von Amerika ist die Beweidung verbreitet“, so Sanders.
Zudem empfiehlt die Waldökologin, die Standorte neuer Wälder mit Bedacht zu wählen. „Da die weit überwiegende Zahl der Waldbrände anthropogen verursacht wird, entscheidet gerade der nah an potenzielle Zündquellen herangerückte Wald wesentlich über das tatsächliche Risiko.“ Auch wenn stadtnahe Wälder positive Effekte auf das lokale Klima und die Naherholung haben, können sie aus Brandschutzsicht problematisch sein.
Weitere Schutzmaßnahmen umfassen der Expertin zufolge Frühwarnsysteme, spezifisches Training für die Feuerwehr, verbesserte öffentliche Aufklärung und konsequente Sanktionierung von absichtlicher oder fahrlässiger Brandstiftung. „Darüber hinaus sind eine laufende Vernetzung von Feuerwehren, Forstwirtschaft und Wissenschaft von Bedeutung“, sagt Sanders.
Eine vollständige Vermeidung von Waldbränden ist allerdings laut Pronto weder machbar noch sinnvoll: „In vielen Ökosystemen ist Feuer eine prägende Kraft, und es gibt Feuer, die ökologisch nützlich sind“, sagt er. „Für Mitteleuropa ist die realistische Zielsetzung nicht die vollständige Verhinderung von Bränden, sondern die Vermeidung großer, unkontrollierbarer Ereignisse.“
Quellen: Science Media Center, Max-Planck-Gesellschaft, EFFIS, The Conversation





