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Wie Mückenweibchen zu Blutsaugern werden
Erde & Umwelt

Wie Mückenweibchen zu Blutsaugern werden

Mückenweibchen werden erst mit ihrer Geschlechtsreife zu Blutsaugern. Vorher trinken sie Blütennektar. · Foto: © Kwangmoozaa/ iStock

Erst Nektar, dann Blut: Junge Stechmücken sind Vegetarier, erst nach ihrer Paarung werden sie zu Blutsaugern. Wie die Mückenweibchen ihre Blutvorliebe entwickeln, haben Biologen nun näher untersucht. Dies enthüllte: Ein einzelner Geruchsrezeptor in den Antennen der Mücken wirkt wie ein Schalter, der das gesamte Beutesuchverhalten umpolt. Wird er mit der Geschlechtsreife inaktiv, ändert er auch die Genregulation anderer Duftrezeptoren.
Autor
Nadja Podbregar
28. September 2026
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Erde & Umwelt

Stechmücken sind auf unser Blut aus: Die Mückenweibchen benötigen eine Blutmahlzeit, damit ihre Eier heranreifen können. Entsprechend perfekt sind die Moskitos daran angepasst, ihre menschliche Beute zu finden: Mit feinen Sensoren auf ihren Antennen detektieren sie unsere Körperwärme, hunderte Komponenten unseres Körpergeruchs und das CO2 unserer Ausatmung. Je nach Mückenart bevorzugen die Blutsauger dabei unterschiedliche Duftcocktails.

Vom Nektartrinker zum Blutsauger

Doch was viele nicht wissen: Mückenweibchen sind zu Beginn ihres Lebens noch reine Vegetarier. „Nach dem Schlüpfen suchen die jungen Weibchen zunächst nach Nektarquellen, um ihre Energiereserven aufzufüllen“, erklären Sukritha Nalikkaramal von der schwedischen Universität für Agarwissenschaften und ihre Kollegen. „Erst nach ihrer Geschlechtsreife entwickeln Mückenweibchen die Fähigkeit, Wirte für eine Blutmahlzeit zu finden.“ Die Paarung beschleunigt diesen Wandel zum Blutsauger zusätzlich.

Aber wie kommt dieser Wechsel zustande? Was verdirbt dem Mückenweibchen den Appetit auf Blütennektar und lässt sie nach unserm Blut gieren? Um das herauszufinden, haben sich Nalikkaramal und ihre Kollegen die Geruchsrezeptoren auf den Mückenantennen genauer angeschaut. „Die Rezeptoren und Gene für die Duftwahrnehmung werden nicht koordiniert reguliert, sondern fungieren als molekulare Schalter“, erklären die Forschenden.

Aedes aegypti

Nahaufnahme von Aedes aegypti. Die Antennen dieser Stechmücken sind mit Geruchsrezeptoren bedeckt, die selbst kleinste Spuren von Duftstoffen wahrnehmen können. — © Fedaro/ CC-by-sa 4.0

Blütenduft-Rezeptor wird abgeschaltet

Jetzt zeigt sich: “Die Veränderung nur eines einzigen Geruchsrezeptors reicht aus, um das Suchverhalten der Mückenweibchen komplett zu rekonfigurieren“, berichtet Seniorautor Rickard Ignell von der Universität für Agarwissenschaften. Für ihre Studie hatten Ignell und sein Team den Duftsensor Or117 genauer untersucht. Von diesem war bekannt, dass er bei jungen, nektartrinkenden Mückenweibchen in zahlreichen Kopien auf den Antennen sitzt. Mit dem Wandel zum Blutsauger nimmt die Menge der Or117-Geruchsrezeptoren jedoch ab.

Um herauszufinden, welche Rolle dieser Geruchsrezeptor spielt, ermittelte das Team zunächst, auf welchen Duftstoff dieser Sensor reagiert. Dies ergab, dass Or117 auf Kampfer und einige wenige Terpenoide und Benzenoide reagiert – wichtige Duftstoffe von Blüten. „Diese Duftstoffe werden von Mücken genutzt, um Nektarquellen zu finden und zu unterscheiden“, erklären die Forschenden. Tatsächlich flogen junge Mückenweibchen der Art Aedes aegypti bei Tests in Y-Röhren immer in den Arm, der diese blütentypische Duftmischung enthielt. Bei geschlechtsreifen und gepaarten Weibchen blieb dieser Lockeffekt dagegen aus.

Ähnliches passierte, als die Forschenden den Or117-Rezeptor künstlich deaktivierten. Dies belegt, dass dieser Duftsensor für die Nektarsuche der Jungmücken eine entscheidende Rolle spielt. Analysen zeigten zudem, dass Or117 bei blutsaugenden Mücken nicht mehr aktiv ist.

Or117 polt auch andere Geruchsrezeptoren um

Doch das ist noch nicht alles: Weitere Untersuchungen ergaben, dass dieser eine Geruchsrezeptor offenbar als Generalschalter für die Duftwahrnehmung der Mückenweibchen wirkt. Wird er mit der Geschlechtsreife der Mücken inaktiv, beeinflusst dies auch eine ganze Reihe weiterer Duftsensoren, wie Transkriptomanalysen zeigten. Demnach verändert Or117 die Regulation und Aktivität mehrerer weiterer Rezeptorgene.

„Das Abschalten von Or117 hat demnach eine umfassendere genregulatorische Auswirkung auf das Geruchsrezeptor-Repertoire der Mückenantennen“, berichten Nalikkaramal und ihre Kollegen. „Damit liefert unsere Studie einen kausalen molekularen Mechanismus, der das Nahrungssuchverhalten der Stechmücken reguliert.“ Das bedeutet: Der Geruchsrezeptor Or117 hilft Jungmücken nicht nur dabei, Blütenektar zu finden, er ist auch ausschlaggebend für den Wandel ihrer Lockstoffpräferenzen.

Dies liefert wichtige Erkenntnisse darüber, wie Mückenweibchen zum Blutsauger werden, könnte aber auch bei der Abwehr ihrer Stiche helfen. „Je mehr wir über den Geruchssinn von Mücken und die von ihm gesteuerten Verhaltensweisen verstehen, desto größer sind unsere Chancen, das Verhalten dieser krankheitsübertragenden Insekten zu beeinflussen“, sagt Ignell.

Quelle: Sukritha Nalikkaramal (Swedish University of Agricultural Sciences, Alnarp) et al., Current Biology, 2026; doi: 10.1016/j.cub.2026.08.051

BlutsaugerGeruchsrezeptorMoskitoMückeNektarStechmücke
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