Das Gespräch führte ROLF HESSBRÜGGE
Herr Prof. Wassong, alle paar Jahre beschwört die Welt den „olympischen Frieden“, den es aber nie zu geben scheint. War das in der Antike anders?
Nein. Kleinere und größere Konflikte wie etwa der Peloponnesische Krieg wurden einfach fortgeführt, während in Olympia um die Wette gelaufen oder geworfen wurde. Allerdings galt im Stadtstaat Elis, in dem auch Olympia lag, der sogenannte Weg- oder Fest-Frieden: Um eine sichere An- und Abreise für Athleten, Zuschauer und Kampfrichter zu gewährleisten, war das Mitführen von Waffen zwei Monate vor und zwei Monate nach den Spielen verboten. Der alt-griechische Begriff hinter diesem Gebot lautet „Ekecheiria“ und bedeutet: die Hände fest bei sich halten. Das galt nicht nur im Umfeld der Olympischen Spiele, sondern für alle vier panhellenischen Agonen – also auch für die Pythischen Spiele in Delphi sowie für die Isthmischen Spiele in Korinth und die Nemeischen Spiele in Nemea. Der Kultort Olympia war ohnehin sakrosankt, durfte nicht angegriffen werden.
Wie wurde dieses Gebot durchgesetzt?
Monate vor Beginn der Spiele riefen Boten auf der Peloponnes und in den Kolonien wie Unteritalien, Sizilien oder Kleinasien den Weg-Frieden aus. Bei Zuwiderhandlung drohten mindestens Geldstrafen. Das erfuhr selbst Alexander der Große, nachdem zwei seiner Söldner einen Reisenden auf dem Weg zu Olympia bestohlen hatten. Im Großen und Ganzen wurde das Gebot wohl geachtet, sonst hätte speziell Olympia nie so populär werden können. Die Spiele hatten ja mehr als 1.000 Jahre Bestand: von 776 v.Chr. bis 393 n.Chr.
Die Spiele waren die ersten Mega-Sportevents – war die Organisation ein Problem?
Anfangs nicht, aber ihre Popularität wuchs rasant, die Sportstätten auch. Die Unterbringung von Athleten, Kampfrichtern und zigtausend Zuschauern war eine gigantische Herausforderung. Ein festes Dach über dem Kopf gab es während der fünf Wettkampftage nur im Leonidaion, das war den VIPs vorbehalten. Alle anderen logierten in Zelten oder provisorischen Hütten. Der Reiseschriftsteller Pausanias berichtete im 2. Jahrhundert n.Chr. von „Abfallbergen“, die am Ende zurückblieben.
Gab es rund um die Spiele einen Völkerverständigungsgedanken? Immerhin kamen die Athleten aus der gesamten „Griechischen Welt“.





