Es muss nicht immer Kaviar sein – Lachs oder Garnelen aus dem Supermarkt sind ähnlich schmackhaft, aber deutlich billiger. Dass jeder sich diese Delikatessen heute leisten kann, liegt an einer rasant wachsenden Branche: der Aquakultur, der Zucht von Fischen, Muscheln und Krabben in Becken und Netzkäfigen. Allein die Produktion von Atlantischem Lachs nahm in den achtziger und neunziger Jahren jährlich um rund 28 Prozent zu. Weltmarktführer sind die asiatischen Länder, wo bereits seit 4000 Jahren Fische gezüchtet werden. In Europa werden vor allem in Norwegens Fjorden Lachse gezüchtet. Dass sich aber die überfischten Meere dank der Aquakultur erholen können, bezweifelt die Umweltwissenschaftlerin Rosamond L. Naylor von der US-amerikanischen Stanford University. Für die Ernährung der zehn am häufigsten gezüchteten Fischsorten werde für jedes Kilo Fleisch immerhin 1,9 Kilo gefangener Fisch benötigt. Vor allem die gewinnbringenden Lachse und Garnelen werden mit Fischmehl und -öl gemästet. Zudem schlüpfen in Norwegen immer wieder Lachse durch die Maschen der Netzgitter. Unter den im Nordatlantik frei gefangenen Lachsen finden sich bereits 40 Prozent aus Zuchtbeständen. Biologen befürchten, dass durch die Mischung der Arten die Erbsubstanz der Wildtiere an Qualität einbüßt. Auch die Fangquoten der Wildlachse sind bisher nicht zurückgegangen. Zwar ist durch die billigere Konkurrenz aus den Fjorden der Preis für Lachs stark gesunken, dennoch haben die Fischer ein Drittel mehr angelandet. Verantwortlich dafür macht Naylor auch die Politiker, die durch Subventionen die Fischerei fördern.
Hans Groth





