Hohle Härchen – wärmeisolierend, wasserabweisend und elastisch: Das raffinierte Fell der Eisbären ermöglicht den großen Räubern der Arktis ein Leben unter extremen Bedingungen. Nun haben Wissenschaftler das interessante Naturpatent in eine künstliche Version umgesetzt – in ein Material aus hohlen Kohlenstoffröhrchen. Durch seine spannenden Merkmale könnte es sich zu einem Hochleistungs-Dämmstoff für Anwendungen in der Architektur oder der Luft- und Raumfahrt entwickeln, sagen die Wissenschaftler.
Raffiniert hohles Design
“Die Haare der Eisbären wurden evolutionär optimiert, um Wärmeverlust bei Kälte und Feuchtigkeit zu vermeiden. Dies macht sie zu einem hervorragenden Modell für einen synthetischen Wärmeisolator”, sagt Shu-Hong Yu von der Universität von Hongkong. Es ist bekannt, dass das Eisbärenfell seine besonderen Eigenschaften der Mikrostruktur der einzelnen Härchen verdankt. Der Knackpunkt ist dabei: Im Gegensatz zu den Haaren von Menschen oder anderen Säugetieren sind Eisbärenhaare hohl. Unter dem Mikroskop zeigt sich, dass jedes Haar einen langen, zylindrischen Hohlraum im Inneren besitzt. Dadurch entsteht die weiße Farbe des Fells und auch seine physikalischen Eigenschaften basieren auf dieser Mikrostruktur: Die Hohlräume kombiniert mit dem Material der Haarhülle machen die Haare leicht, isolierend, wasserbeständig und flexibel.
Dabei handelt es sich um ein Eigenschaftsprofil, von dem Materialforscher gleichsam träumen. Das Eisbärenfell-Konzept auf synthetische Materialien zu übertragen, hat sich allerdings als eine knifflige Herausforderung erwiesen – die Merkmale der bisherigen Imitationen lassen zu wünschen übrig. Wie Shu-Hong Yu und seine Kollegen berichten, ist ihnen nun allerdings die Entwicklung eines vielversprechenden Materials nach dem Vorbild des Eisbärenfells gelungen.
Es handelt sich dabei um ein sogenanntes Aerogel. Das sind extrem poröse Festkörper, die sozusagen fast nur aus Luft bestehen und dadurch extrem leicht, wärmedämmend und dennoch stabil sein können. Es gibt bereits verschiedene Arten von Aerogelen, die sich im Material der Gerüststrukturen unterscheiden – einige haben eine Silicat-, Polymer- oder auch Kohlenstoffbasis. Das Eisbärenfell-Aerogel von Yu und seinen Kollegen besteht nun aus Unmengen winziger hohler Kohlenstoffröhrchen, die den Eisbärhaaren nachempfunden sind. Wie bei einem Haufen Spaghetti sind diese Einheiten ineinander verwickelt und formen gemeinsam Aerogel-Gebilde.





