Was fällt Ihnen zum Stichwort Physik ein? Die meisten werden wohl Dinge nennen, mit denen sie sich zwischen Frühstück und Abendessen normalerweise kaum beschäftigen: Quarks, Quanten, Relativität, Teilchenbeschleuniger oder irgend etwas ähnlich Kompliziertes.
Tatsache aber ist, daß die Physik unser tägliches Leben beherrscht. Mit viel Sachverstand und Esprit schreibt darüber seit vielen Jahren Wolfgang Bürger in bild der wissenschaft. In seiner Kolumne “Kabinett” unternimmt der Physik-Professor regelmäßig kurzweilige Ausflüge in die Physik des Alltags. Dabei schaut er sich meist Effekte und Apparate an, die jeder kennt, aber kaum einer versteht.
Der paradoxe Eierkocher ist eine Auswahl dieser Kabinett-Stücke in Buchform – angereichert mit fünf bislang unveröffentlichten Beiträgen. Unterhaltsam erklärt Bürger seinen Lesern, warum man in einen Eierkocher um so mehr Wasser geben muß, je weniger Eier man kochen will. Oder er zeigt, wie sich für ein paar Mark aus Seidenpapier ein Heißluftballon basteln läßt. Anschließend rechnet er vor, wie groß der Ballon sein muß, damit er auch wirklich in die Luft geht.
Daß Bürger sich dabei nicht scheut, Formeln anzugeben, unterscheidet ihn von vielen anderen populären Wissenschaftsautoren und unterstreicht seinen Anspruch: Er will, daß seine Leser mitdenken – was natürlich einige mathematische und physikalische Grundkenntnisse erfordert.
Hervé This-Benckhard, Chefredakteur der französischen Zeitschrift “Pour la Science”, verzichtet dagegen in>b> Rätsel der Kochkunst – Naturwissenschaftlich erklärt weitgehend auf chemische und mathematische Formeln. Mit seinen anschaulichen Erklärungen ist dem Autor ein kleines Meisterwerk gelungen, in dem er so manche Küchenregel hinterfragt und ihren naturwissenschaftlichen Hintergrund aufdeckt. Wer weiß zum Beispiel schon, warum sich Brot besser mit altem Mehl als mit frisch gemahlenem backen läßt oder warum man den Teig möglichst lange kneten muß? Oder daß heißer Tee besser schmeckt, wenn man ihn in die Milch gießt – und nicht umgekehrt – ist für die meisten Genießer sicher eine überraschende Erkenntnis.
Fast auf jeder Seite merkt man: Hier schreibt ein Feinschmecker. Das steigert nicht nur das Lesevergnügen, sondern auch den praktischen Wert des Buchs. Denn This-Benckhard streut am Rande immer wieder Tips ein, wie man Chemie und Physik nutzen kann, um den Gaumen mit noch köstlicheren Mahlzeiten zu kitzeln.
Nicht auf den Geschmacks-, sondern auf den Sehsinn haben es J. Richard Block und Harold E. Yuker abgesehen. Ihr Buch Ich sehe was, was Du nicht siehst zeigt laut Untertitel “250 optische Täuschungen und visuelle Illusionen”, die unsere alltäglichen Sehgewohnheiten verwirren. Wer nicht mehr sucht als eine kompakte Zusammenstellung populärer Abbildungen zu einem moderaten Preis, kommt hier auf seine Kosten. Farbige oder neue Bilder sollte man von dem Buch allerdings nicht erwarten. Ein weiterer Schwachpunkt: Die Erklärungen der optischen Effekte bleiben meist an der Oberfläche. Noch schwerer wiegt, daß manche Effekte in den Bildern wegen der schlechten Druckqualität nicht richtig zur Geltung kommen.
Zum Schluß ein Buch-Schmankerl, das sich auf ganz andere Weise mit Wissenschaft und Alltag auseinandersetzt. In Wenn Einstein recht hat… von Sidney Harris geht es höchst vergnüglich um den Alltag von Naturwissenschaftlern. Der amerikanische Cartoonist nimmt ihre Sprech- und Denkweise auf die Schippe. Aus manchen ihrer Ideen bastelt er skurrile Szenarien. Oder er spießt die Merkwürdigkeiten des ganz normalen Universitätsbetriebs auf. So sagt in einem Cartoon eine Wissenschaftlerin zu ihrem Kollegen: “Ich forsche eigentlich in zwei Bereichen: über Materie unter hohem Druck und über Wissenschaftler unter hohem Druck.”
Alltags-Physik
Wolfgang Bürger Der paradoxe Eierkocher Physikalische Spielereien aus Professor Bürgers Kabinett Birkhäuser 1995 DM 49,80
Hervé This-Benckhard Rätsel der Kochkunst Springer 1996 DM 39,80
J. Richard Block, Harold E. Yuker Ich sehe was, was Du nicht siehst Goldmann 1996 DM 18,-
Sidney Harris, Christian J. Jäggi Wenn Einstein recht hat …br> Science Cartoons Birkhäuser 1997 DM 19,80
Frank Fleschner





