Weltweit fressen Katzen uns quasi die Singvögel vor der Haustüre weg. In allen Killer-Statistiken führen sie haushoch und gelten diesbezüglich als das größte Problem. Dabei sind eigentlich wir Menschen schuld am Tod der Piepmatze. Wieso? Weil wir zu viele Katzen haben? Auch, aber das ist nur ein Teilaspekt. Die meisten Statistiken erfassen nicht alle möglichen Todesursachen, etwa den Verlust von Lebensraum durch Bodenfraß, verharmlosend Bodenversiegelung genannt, eines der Hauptprobleme für unsere gefiederten Freunde. Und allein an die acht Milliarden Vögel sterben, weil ihnen beim Fliegen Glas im Weg ist – in Form von Fensterscheiben, Balkontüren, Buswartehäuschen, Hoch hausglasfassaden und vielem mehr.
Vogelschlag nennt man diese Art des Lebensendes, und für viele Nachkommen der Dinosaurier ist es ein schwerer Schlag, wenn es um ihr Überleben als Art geht. Aber warum sterben Vögel gleich, wenn sie gegen Glas fliegen? Nun, in vielen Fällen tun sie das gar nicht, aber Verletzungen der Flügel oder schon Benommenheit können reichen, um danach leichte Beute zu werden. Etwa für Katzen.
Wie gefährlich Glasoberflächen für Vögel sind, hängt von mehreren Punkten ab: Neben Größe und Sichtbarkeit der Glasfläche spielen auch die Anzahl der Vögel in der Umgebung, die Fluggeschwindigkeit und der Aufprallwinkel eine Rolle. Fürs Ableben ist allerdings nicht die volle Punktzahl nötig. Dass Gegenden mit vielen Glasfassaden und Fenstern trotzdem nicht mit toten Vögeln übersäht sind, liegt vor allem daran, dass die Kadaver umgehend gefressen werden. Für Marder, Füchse und Raubvögel ist das ein All-you-can-eat-Buffet. Manche Tiere jagen sogar bevorzugt in Nähe von Glasfassaden: Einige Raubvögel haben gelernt, dass sich die Jagd dort lohnt, und hetzen die kleineren Artgenossen sogar in Richtung Glasscheibe. Aber warum kollidieren die Vögel überhaupt? Immerhin ist Glas zwar durchsichtig, aber nicht unsichtbar … Na ja, wir Menschen laufen ja auch häufig gegen Glastüren, davon gibt es zahllose Videobelege im Internet. Und Glas ist verglichen mit evolutionsgeschichtlichen Zeitspannen eine sehr neue Entwicklung. Für den weitaus größeren Zeitraum galt etwas quasi Unsichtbares als nicht existent.
Die Welt aus Sicht der Vögel
Was kann man gegen das gefiederte Massensterben tun? Man könnte meinen, spiegelnde Glasflächen würden den Vogelschlag reduzieren. Doch nicht selten machen sie die Sache noch schlimmer. Durch die Reflexion entsteht nämlich der Eindruck, dass die Landschaft hinter dem Glas weitergeht, man also getrost weiterfliegen kann. Ein kleiner Piepmatz denkt da nicht: „Ui lustig, ich fliege auf mich selbst zu und werde dabei größer!“, sondern auf der Flucht vor einem Fressfeind eher: „Bis zum Baum da drüben muss ich es schaffen, dann bin ich in Sicherhh …“ Rumms!!!





