Doch jetzt zeichnet eine neue Datierung von insgesamt 14 verschiedenen Höhlenmalereien im Maros-Karstgebiet auf der Insel Sulawesi ein völlig anders Bild der menschlichen Kulturentwicklung. In den zahlreichen Höhlen dieses Gebiets wurden schon seit den 1950er Jahren verschiedene Felszeichnungen entdeckt. Viele davon sind menschliche Handumrisse, die durch Aufsprühen von Farbe auf die auf dem Fels liegende Hand erzeugt wurden. Einige Höhlenbilder zeigen aber auch naturalistische Zeichnungen von einheimischen Tieren, darunter Zwergrindern, Warzenschweinen und einer fruchtfressenden Hirschart, wie Maxime Aubert von der Griffith University in Gold Coast und ihre Kollegen berichten. Weil diese Höhlenmalereien aber stark zersetzt und verwittert sind, war es bisher kaum möglich, sie genauer zu datieren. Die Forscher lösten dieses Problem nun, indem sie für zwölf Handabdrücke und zwei Tierzeichnungen die direkt auf und unter den Zeichnungen liegenden Mineralablagerungen, das sogenannte Höhlenpopcorn, mittels Uran-Datierung analysierten.
Zeitgleich an beiden Enden der Erde
Das Ergebnis war überraschend: Der älteste Handabdruck in einer der Maros-Höhlen war bereits 39.900 Jahre alt. “Dies ist damit der älteste Beleg für die Anwesenheit des Menschen auf Sulawesi – und das älteste bekannte Beispiel für diese weitverbreitete Kunstform”, konstatieren Aubert und ihre Kollegen. Der Handabdruck befindet sich in der Höhle Leang Timpuseng an einer vier Meter hohen Decke und ganz in der Nähe einer unvollständigen Zeichnung einer fruchtfressenden Hirschkuh. Ein ähnliches Bild eines solchen Hirsches in einer benachbarten Höhle datierten die Forscher auf immerhin 35.700 Jahre. Damit ist dieses eine der ältesten bekannten Tierdarstellungen weltweit, wie die berichten. Aus der Alters-Spannbreite der 14 Höhlenmalereien lässt sich schließen, dass Menschen in dieser Region Sulawesis mindestens 13.000 Jahre lang immer wieder Felswände in Höhlen und Nischen nutzten, um ihrer Kunst Ausdruck zu geben.
“Bisher nahm man meist an, dass Europa das Zentrum der frühen Höhlenkunst war”, sagt Aubert. “Aber unsere Funde auf Sulawesi zeigen nun, dass zur gleichen Zeit auch Menschen am anderen Ende der Welt Bilder von Tieren schufen, die genauso bemerkenswert sind wie die in den Höhlen von Frankreich und Spanien.” Nach Ansicht der Forscher gibt es dafür zwei Erklärungsmöglichkeiten: Entweder haben die Vorfahren der heutigen Bewohner Südostasiens diese Kunst unabhängig von ihren europäischen Verwandten entwickelt. Oder aber die Wurzeln dieser Kreativität liegen noch deutlich weiter zurück: “Vielleicht wurde diese Kunst schon von den ersten anatomisch modernen Menschen praktiziert, die Afrika verließen – zehntausende von Jahren vor Entstehung der ältesten bekannten Höhlenmalereien”, so die Forscher. Sollte dies der Fall sein, dann könnten sich in Höhlen und Felsunterständen Afrikas und Asiens noch viele unentdeckte Zeugnisse dieser Höhlenkunst verbergen.





