Viele bringen ein bisschen zu viel auf die Waage – doch bei einigen Menschen nimmt dies bekanntlich krankhafte Formen an: Schätzungen zufolge sind weltweit etwa 650 Millionen Personen von Fettleibigkeit betroffen. Dies ist mit einem deutlich erhöhten Risiko für eine Reihe von Gesundheitsproblemen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und bestimmten Krebsformen verbunden. Die Fettleibigkeit kann dabei verschiedene Ursachen haben, häufig liegt aber eine dauerhaft überhöhte Nahrungsaufnahme zugrunde. Dabei bleiben Verhaltenstherapien zur Änderung der Essgewohnheiten oft erfolglos – viele Betroffene können dem starken Ess-Drang schwer widerstehen. In solchen Fällen werden dann appetitzügelnde Medikamente eingesetzt oder sogar sogenannte chirurgische Eingriffe durchgeführt, bei der die Magenkapazität eingeschränkt wird. Beide Ansätze sind aber mit Nebenwirkungen verbunden und für viele Betroffene zu teuer.
Lässt sich das natürliche System aktivieren?
Vor diesem Hintergrund haben die Forscher um Shriya Srinivasan vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge nun ein Konzept entwickelt, das auf einem Regulationsfaktor für das natürliche Sättigungsgefühl basiert. Spezialisierte Zellen nehmen dabei die Dehnung des Magens bei einer Mahlzeit wahr. Ab einem gewissen Niveau vermitteln diese Mechanorezeptoren dann über den Vagusnerv das Signal an das Gehirn, dass es nun genug ist. Anschließend werden Signalstoffe und Hormone ausgeschüttet, die der Verdauung dienen und ein Sättigungsgefühl auslösen. Gleichzeitig wird zudem der Spiegel eines appetitfördernden Hormons gesenkt.
Auf die Idee zu der Vibrations-Kapsel kamen Srinivasan und ihre Kollegen aufgrund von früheren Untersuchungen, denen zufolge Vibrationen bei Muskeln das Gefühl hervorrufen können, dass sie sich weiter gedehnt haben, als es tatsächlich der Fall ist. „Ich habe mich deshalb gefragt, ob wir auch die Dehnungsrezeptoren im Magen durch Vibration aktivieren könnten, um ihnen vorzugaukeln, dass eine starke Dehnung vorliegt“, sagt Srinivasan.
Um diesen Effekt auszulösen, nutzen die Forscher eine Technologie, die momentan auch für andere Anwendungen am MIT entwickelt wird: Schluckbare Kapseln, die durch elektronische Einheiten bestimmte Funktionen im Körper erfüllen können. Für das aktuelle Anwendungsziel hat das Team nun eine Kapsel von der Größe eines Multivitaminpräparats entwickelt, die ein vibrierendes Element enthält, das von einer kleinen Silberoxidbatterie angetrieben wird. Wenn die Kapsel den Magen erreicht, lösen die Magenflüssigkeiten eine Membran auf, wodurch ein elektronischer Schaltkreis geschlossen wird, der den Vibrationsmotor aktiviert. Bei der bisherigen Testversion läuft er dann 30 Minuten lang.





