Gleichzeitig sieht unsere große Vision der Energiewende jedoch vor, dass wir unseren Strom zu großen Teilen mit Photovoltaik aus Sonnenenergie erzeugen, überschüssige Energie in Batterien zwischenspeichern und batteriebetriebene Elektroautos fahren. Bei all diesen Anwendungen ist Gleichstrom im Einsatz, bei dem die Elektronen konstant in eine Richtung fließen.
Tatsächlich funktionieren die meisten unserer elektronischen Geräte letztlich mit Gleichstrom. Smartphones und Laptops, Mikrowellen, WLAN-Router, LEDs – sie alle nutzen ihn. Eigentlich ist es leichter, die Geräte aufzuzählen, die keinen Gleichstrom verwenden: Mit Wechselstrom arbeiten vor allem solche Geräte, die Strom direkt in Wärme umwandeln, etwa elektrische Heizgeräte oder Toaster. Für die meisten davon gibt es allerdings auch Gleichstromalternativen. Der Verband European Distribution System Operators (E.DSO) schätzt, dass bis 2030 bis zu 80 Prozent des Energiebedarfs in Haushalten auf gleichstrombetriebene Geräte entfallen werden.
Und es sind nicht nur die Haushalte, sondern auch die Industrie. Die meisten IT-Komponenten arbeiten intern mit Gleichstrom, ebenso die meisten elektronischen Geräte, ob groß oder klein. Die Halbleiterindustrie nutzt viel Gleichstrom, genauso die Telekommunikationsinfrastruktur.
Wenn man nun noch hinzunimmt, dass Solarpanels und Windturbinen Gleichstrom erzeugen und das ständige Umwandeln zwischen Wechsel- und Gleichstrom unvermeidlich Verluste verursacht, wirkt es fast verrückt, dass wir überhaupt Wechselstrom verwenden, oder? Warum tun wir das? Und wäre es also möglicherweise sinnvoll, das Stromnetz langfristig auf Gleichstrom umzustellen? Sehen wir uns die Fakten dazu an.
Edison gegen Tesla
Einer der wohl epischsten Streitfälle in der Wissenschaft war Ende des 19. Jahrhunderts der „Stromkrieg“ zwischen Thomas Edison und Nikola Tesla über die richtige Art, Elektrizität zu nutzen und zu übertragen. Edison setzte sich für Gleichstrom ein (im Englischen direct current, kurz DC), während Tesla Wechselstrom (im Englischen alternating current, kurz AC) propagierte.
Tesla gewann diesen Streit – teilweise mit dem Argument, dass Wechselstrom bei direktem Kontakt weniger dazu neige, unbeteiligte Menschen zu grillen, vor allem aber aus wirtschaftlichen Gründen. Wechselstrom hatte bei der Übertragung über lange Distanzen geringere Verluste, sein System ließ sich also besser skalieren. Deshalb kommt heutzutage aus jeder normalen Steckdose Wechselstrom, der seine Richtung mehrmals pro Sekunde umkehrt. In Europa und auch den meisten anderen Ländern der Welt liegt diese Wechsel-Frequenz bei 50 Hertz, in Nordamerika und Teilen Südamerikas haben sich 60 Hertz als Standard etabliert.





