HE 0107-5240 verdient einen Ehrenplatz im Guinnessbuch der Rekorde. Der Stern besteht fast vollständig aus Wasserstoff und Helium und hat die geringste Häufigkeit an schwereren Elementen, die jemals beobachtete wurde – nur ein Zweihunderttausendstel von denen der Sonne und ein Zwanzigstel des bisherigen Rekordhalters. HE 0107-5240 muss aus einer Zeit stammen, als der Weltraum noch kaum mit schwereren Elementen anderer, inzwischen explodierter Sterne „verschmutzt” war. Damals begann sich unsere Galaxis gerade erst aus einer Urgaswolke zu bilden (bild der wissenschaft 6/2001, „Die kannibalische Milchstraße”). HE 0107-5240 befindet sich im Sternbild Phönix in der südlichen Milchstraße, 36000 Lichtjahre entfernt. Der Stern hat nur 80 Prozent der Masse unserer Sonne – was geläufige Annahmen der Sternentstehungstheorien durcheinander bringt, denen zufolge sich in Regionen, die arm an schwereren Elementen sind, massereiche Sterne bilden sollten. Der Urstern wurde vor einigen Jahren bei der Hamburg/ESO-Durchmusterung unter der Leitung von Dieter Reimers von der Hamburger Sternwarte entdeckt und kürzlich von einem Team um dessen Kollegen Norbert Christlieb mit Hilfe eines hochaufgelösten Spektrums analysiert. Dieses Spektrum hatte das 8,2-Meter-Teleskop Kuyen der Europäischen Südsternwarte (ESO) auf dem Berg Paranal in Chile gemessen. Nachgewiesen wurden Spuren von Stickstoff und Kohlenstoff. Sie stammen entweder aus den Kernfusionsprozessen im Sterninneren und gelangten an die Oberfläche, oder von einem Nachbarstern, der längst nicht mehr existiert, dessen Materie sich HE 0107-5240 aber teilweise einverleibt hat.
Hans Groth





