Die heutigen Pferderassen stammen gängiger Annahme nach alle von einem gemeinsamen Vorfahren ab, dem Hyracotherium, auch Morgenpferd, Urpferd oder Eohippus genannt. Dieses inzwischen ausgestorbene Säugetier war nur etwa so groß wie ein Fuchs und gilt als der älteste bekannte Vertreter der Pferdeverwandten (Hippomorpha). Obwohl die Evolution der Pferdeartigen (Equoidae) und ihrer Vorfahren damit bereits relativ gut verstanden scheint, rätseln Forschende weiter, wie sich die frühen Pferde ausgehend von diesem Vorfahren diversifiziert haben.

Fossilien sortieren Stammbaum der Pferdeverwandten neu
Dieser Frage sind nun Jérémy Tissier und Thierry Smith vom Königlichen Belgischen Institut für Naturwissenschaften in Brüssel nachgegangen. Die beiden Forscher untersuchten dafür die fossilen Überreste von Vertretern aus der Gruppe der Unpaarhufer (Perissodactylen), zu der neben Pferden auch Tapire und Nashörner gehören. Diese Huftiere tauchten erstmals vor etwa 56 Millionen Jahren auf der Nordhalbkugel auf, während einer als Paläozän-Eozän-Thermisches Maximum (PETM)bezeichneten Zeitperiode. Durch vulkanische Aktivitäten im Atlantik wurden damals große Mengen CO2 und Methan freigesetzt, was zu einer globalen Erwärmung um vier bis sechs Grad innerhalb weniger tausend Jahre führte. Dieser urzeitliche Klimawandel veränderte die Lebensbedingungen auf der Erde dramatisch. Viele Arten starben aus, andere waren gezwungen, sich anzupassen und auszuwandern – und erlebten dabei einen Evolutionsschub. Dazu zählen auch die Unpaarhufer.
Tissier und Smith führten nun mithilfe neuer Fossilien verschiedener Unpaarhufer eine groß angelegte phylogenetische Analyse durch, um die Verwandtschaftsbeziehungen dieser Gruppe näher zu ermitteln. Dabei stellten sie überraschend fest: Das „Urpferd“ Hyracotherium und andere zuvor dazu gezählte Arten sind nicht so eng mit Pferden verwandt wie bislang gedacht. Sie gehören weder zu den Pferdeartigen (Equoidae) noch zu den Pferdeverwandten (Hippomorpha). Vielmehr war Hyracotherium ein eher basaler Unpaarhufer; er stand deutlich weiter unten im Stammbaum als gedacht.
Pferde-Vorfahren stammen aus Asien
Noch eine Stufe weiter unten, fast ganz am Fuß des phylogenetischen Stammbaums der Perissodactylen, steht allerdings eine andere Art, Gazijhippus genannt. Dieses „Urhuftier“ lebte in Pakistan, wie die Analyse ergab. Alle Unpaarhufer, die später aus Gazijhippus hervorhingen, stammen somit ursprünglich aus Asien und nicht wie bislang angenommen aus Nordamerika oder Europa. Moderne Pferde, die ebenfalls auf diesen entfernten Vorfahren zurückgehen, haben demnach uralte asiatische Wurzeln.






