Regine Stachelhaus (55) ist seit Juni 2010 Personal- und Services-Vorstand beim Energiekonzern E.ON.
Wie erleben Sie als Top-Managerin den Unterschied zu männlichen Führungskräften, Frau Stachelhaus?
Oft war ich unter 50 und mehr Männern die einzige Frau. Breite Schultern, tiefe Stimme und auf den Tisch hauen – das ist die gängige Vorstellung von Durchsetzungskraft. Frauen managen anders: hartnäckig, nachdrücklich und leiser. Sie entsprechen nicht dem gängigen Rollenklischee, sind aber deswegen nicht weniger erfolgreich.
Was müssen Frauen auf dem Weg nach oben beachten?
Sie sollten ihrem Stil treu bleiben, sich Unterstützung durch Mentoren suchen und planen, was sie erreichen wollen. Bei Job-Angeboten zweifeln sie oft, ob sie das können. Männer sagen: ‚ Klasse, mache ich‘ – und sind bereit, sich bei Konflikten durchzukämpfen. Mein Mann und ich haben uns früh entschieden, dass ich die Brötchen verdiene – das hat mir geholfen. Meinen ersten Job als Anwältin für Arbeitsrecht und Software-Lizensierung fand ich klasse, aber nicht für immer. Ich habe ziemlich bald meinen Chef gefragt: „Wie geht’s weiter?”
Was halten Sie von einer Quote für weibliche Führungskräfte?
Nichts, wenn sie staatlich verordnet wird. Aber Unternehmen müssen sich klare Ziele für den Managerinnenanteil setzen und eine Kultur schaffen, in der sich Frauen respektiert fühlen und in der auch leisere Töne gehört werden.
Müssen Frauen befürchten, als Quotenfrau abgestempelt zu werden?
Wenn der Staat eingreift, vielleicht zu Recht. Aber nicht, wenn Unternehmen ihre Kultur ändern. Unabhängig davon müssen Kandidaten immer qualifiziert für die jeweilige Position sein. Ich rate Frauen, Abwertungen, die sich auf das Geschlecht beziehen, mit Gelassenheit zu begegnen und cool zu ignorieren.





