Waren die Dinosaurier wechselwarm wie heutige Reptilien oder warmblütig wie Säugetiere und Vögel? Wegen der Kraft, Größe und Wendigkeit vieler Raubdinosaurier vermuten Paläontologen schon länger, dass Tyrannosaurus rex und Co ihre Körpertemperatur zumindest zum Teil aktiv regulieren konnten. Wachstumsringe von fossilen Knochen und Isotopenanalysen legen zudem nahe, dass die Raubdinosaurier und einige Sauropoden eine relativ hohe, von ihrer Umgebung unabhängige Körpertemperatur besessen haben könnten.
Aber war der Tyrannosaurus rex wirklich schon ein echter Warmblüter? Bisher ist dies unklar – auch, weil es bisher nicht gelungen ist, die Körpertemperatur dieser Raubdinosaurier präzise zu bestimmen.
Ein „Fieberthermometer“ für den T. rex
Deshalb haben nun Forschende um Randon Flores von der University of California in Los Angeles ein „Fieberthermometer“ für Dinosaurier entwickelt. Für dieses ist nur eine winzige Probe aus dem fossilen Zahnschmelz des Dinosauriers nötig. Als erste Testobjekte dienten Proben von zwei Zähnen des Tyrannosaurus rex „Thomas“, dessen Fossil im Nordwesten der USA gefunden wurde, und ein Zahn eines weiteren T.-rex-Exemplars. Als Vergleich dienten Zahnschmelzproben von fünf Krokodilen – Reptilien, die nachweislich wechselwarm sind.

Schädel des T. rex “Thomas“ und ein Zahn dieses Tyrannosaurus-Exemplars. — © Dinosaur Institute, Natural History Museum of Los Angeles County
Um die Körpertemperatur des T. rex zu rekonstruieren, analysierten Flores und sein Team den Gehalt und die Bindungen von zwei Isotopen im Zahnschmelz, dem seltenen radioaktiven Kohlenstoff- Isotop 13C und dem stabilen, aber ebenfalls seltenen Sauerstoffisotop 18O. Der Clou dabei: Je höher die Temperatur im Zahnschmelz eines Tieres ist, desto seltener bilden diese beiden Isotope Bindungen zueinander aus. Ein gleichwarmes, warmblütiges Tier hat deswegen weniger dieser Isotopenbindungen als ein wechselwarmes.
„Dies bildet die Basis unseres Isotopenthermometers“, erklärt Flores‘ Kollege Robert Eagle. Mithilfe der Massenspektrometrie lassen sich die Isotopenverhältnisse des fossilen Zahnschmelzes auslesen. „Theoretisch könnten wir diese Messungen auch an Knochen durchführen, aber diese werden im Laufe des Lebens ständig umgebaut und ersetzt. Die Kristallstrukturen des Zahnschmelzes sind dagegen stabil und sehr haltbar.“
36,3 Grad - unabhängig von der Außentemperatur
Mit dieser Methode ist es nun erstmals gelungen, die Körpertemperatur eines Tyrannosaurus rex genauer zu rekonstruieren. Demnach war das Innere des T. rex zu seinen Lebzeiten rund 36,3 Grad warm – genauso warm wie bei einem Elefanten und fast so warm wie bei uns Menschen. „Die Körpertemperatur des Tyrannosaurus lag signifikant höher als bei modernen Reptilien, aber niedriger als bei heutigen Vögeln“, erklärt Eagle. Die zum Vergleich gemessenen Krokodile hatten im Schnitt nur eine Körpertemperatur von 31 Grad.
Noch wichtiger jedoch: Die Körpertemperatur des Tyrannosaurus lag auch signifikant über der seiner damaligen Umgebung, wie die Forschenden ermittelten. Modellen und fossilen Muscheln zufolge wurde es am Fundort des T. rex in der Kreidezeit selbst in warmen Sommermonaten und bei maximalem Treibhauseffekt nicht wärmer als 33 Grad. Die Jahresmitteltemperaturen lagen bei rund 18 bis 20 Grad. „Das legt nahe, dass der Tyrannosaurus seine Temperatur aktiv über der seiner Umgebung halten konnte“, schreiben die Paläontologen.

Über die Isotopenwerte ermittelte Körpertemperaturen des Tyrannosaurus (orange) und der Krokodile (blau) sowie Vergleichswerte heutiger Tiergruppen und die Lufttemperaturen am Fundort des T. rex vor 66 Millionen Jahren und heute. — © Flores et al./ Science Advances, CC-by 4.0
Warmblütig selbst im winterlichen Alaska
Zusammengenommen bestätigt dies: Der Tyrannosaurus rex und wahrscheinlich auch andere Raubdinosaurier seiner Zeit waren warmblütig – sie konnten ihre Körpertemperatur aktiv regulieren. Der „König der Schreckensechsen“ war demnach alles andere als ein träges Reptil. Das erklärt nicht nur seinen Erfolg als Jäger und Top-Prädator der Kreidezeit, sondern auch, warum Fossilien dieses Raubdinosauriers selbst in kalten Regionen wie Alaska gefunden wurden. Zwar herrschte in der Kreidezeit ein tropisches Treibhausklima, Alaska lag aber auch schon damals in der winterkalten Polarregion.
“Mithilfe dieses paläontologischen Thermometers und paläoklimatischer Modelle konnten wir das Verbreitungsgebiet des Tyrannosaurus rex rekonstruieren“, berichtet Co-Autor Alessandro Chiarenza vom University College London. Demnach könnte der T. rex vor 66 Millionen ein Gebiet besiedelt haben, das vom heutigen Mexiko bis nach Alaska reichte. Dank seiner Warmblütigkeit konnte der Raubdinosaurier selbst dort leben, wo es für andere Reptilien zu kalt war.
Mechanismus der Dino-Warmblütigkeit noch unklar
Doch wie regulierte der Tyrannosaurus rex seine Körpertemperatur? Beruhte seine Warmblütigkeit schon auf den gleichen Mechanismen wie bei uns oder den aus den Dinosauriern entstandenen Vögeln? Diese Frage können auch Flores und seine Kollegen bisher nicht beantworten. „Es ist unmöglich, allein aus der Körpertemperatur auf die thermoregulatorischen Strategien zu schließen“, erklären sie. Sie halten es aber für wahrscheinlich, dass der T. rex seine Körpertemperatur über seinen Stoffwechsel regulierte, ähnlich wie auch heutige Säugetiere und wir Menschen.
Quelle: Randon Flores (University of California - Los Angeles) et al., Science Advances, 2026; doi: 10.1126/sciadv.aeb7653





