Am Ende des Trias-Zeitalters vor rund 201 Millionen Jahren ereignete sich eines der fünf großen Massenaussterben der Erdgeschichte. Bis zu 70 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten starben aus, darunter die meisten Archosaurier – die Reptilien, die vor der Ära der Dinosaurier die Landflächen dominierten. Als Auslöser der Katastrophe gelten das Zerbrechen des Superkontinents Pangäa und Ausbrüche in einem riesigen Vulkangebiet, der Zentralatlantischen Magmatische Provinz (CAMP).
Katastrophale Folgen für Klima und Biosphäre
Dies löste eine ganze Kette katastrophaler Veränderungen aus. Die CAMP-Eruptionen hielten Hunderttausende Jahre an und setzten enorme Schübe vulkanischer Gase frei. Diese könnten zunächst einen vulkanischen Winter ausgelöst haben, dann folgte eine globale Erwärmung um fünf bis zehn Grad. Wetterextreme wie Stürme mit Starkregen und Gewitter wechselten sich mit Dürren ab. Als Folge veränderten sich viele Lebensräume drastisch: Wälder verschwanden, Wüsten breiteten sich aus und im urzeitlichen Europa entwickelten sich von Farnen dominierte Savannen.
Doch das war noch nicht alles, wie nun Teuntje Hollaar von der Universität Utrecht und ihre Kollegen herausgefunden haben. Für ihre Studie hatten sie Pollen und Kohlestückchen untersucht, die während des Trias-Massenaussterbens in Mittel- und Nordwesteuropa abgelagert wurden. Die Ablagerungen stammen aus vier Sedimentbohrkernen aus Deutschland, Luxemburg, den Niederlanden und Großbritannien. Diese Gebiete lagen vor 201 Millionen Jahren am Ufer eines flachen Meeresarmes.

Dieser in England gewonnene Sedimentbohrkern enthält Schichten aus der Zeit des Massenaussterbens am Ende der Trias. — © Teuntje Hollaar
Das Rätsel der „dunklen Zone“
Die Analysen der Pollenproben zeigten Überraschendes: Alle Pollen und Sporen aus der Trias-Jura-Grenzschicht waren ungewöhnlich dunkel gefärbt. „Diese dunkle Zone ist auf ein schmales Schichtintervall begrenzt, darüber und darunter haben die Pollen eine normal helle Farbe“, berichten die Forschenden. Zwar können Pflanzenrelikte nachdunkeln, wenn sie lange Zeit unter Druck und erhöhten Temperaturen im Untergrund liegen. In diesem Fall waren die Übergänge zwischen der dunklen Zone und den hellen Schichten jedoch dafür zu abrupt, wie das Team erklärt.
Ebenfalls auffällig: „Dieses Phänomen tritt in allen vier Bohrkernen zu exakt derselben Zeit auf“, berichtet Seniorautor Bas van de Schootbrugge von der Universität Utrecht. „Das war rätselhaft, denn die Sedimente in den vier Becken hatten ganz unterschiedliche geologische Geschichten hinter sich.“ Ungewöhnlich war auch, dass sich diese Dunkelfärbung bei Pollen und Sporen aller in dieser Grenzschicht gefundenen Pflanzenarten zeigte. „Das ist ein starkes Indiz dafür, dass hier ein äußerer Einfluss am Werk war“, sagt van de Schootbrugge.

Fossile Farnsporen aus der Zeit vor dem Massenaussterben (links) und aus der „dunklen Zone“ der Trias-Jura-Grenzschicht. — © Bas van de Schootbrugge
Farn-Peak, Mikrokohle und PAKs
Aber was ist die Ursache? Einen ersten Hinweis lieferte die Art der Pflanzenrelikte in der Trias-Jura-Grenzschicht: „Die dunkle Zone war fast deckungsgleich mit dem Peak der Farnsporen“, berichtet van de Schootbrugge. Diese anomale Häufung von Farn-Relikten kennzeichnet die 40.000 bis 300.000 Jahre anhaltende Phase des Massenaussterbens, in der sich Farne explosionsartig ausbreiteten. Sie profitierten vom Verschwinden der Wälder im urzeitlichen Europa und trotzten auch Hitze, Dürre oder Bodenerosion. „Farne gelten als echte Katastrophengewinnler“, erklärt der Forscher.
Den zweiten Hinweis lieferten winzige Kohlestückchen in der Katastrophenschicht. „Die Bohrkerne aus dem niedersächsischen Schandelah und aus äquivalenten Becken anderswo zeigen einen Anstieg von Mikrokohle“, berichten die Forschenden. Nähere Analysen ergaben zudem, dass parallel dazu auch die Konzentration von sogenannten pyrogenen polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) anstieg – organischen Verbindungen, die in Bränden entstehen und mit dem Rauch verteilt werden.
Fataler Teufelskreis
Zusammengenommen legen diese Ergebnisse nahe, dass Europa während des Trias-Massenaussterbens immer wieder starke Feuersbrünste durchlebte. Ausgelöst durch Gewitter und die wiederkehrenden Dürren entzündeten sich heftige Brände, die über das Land hinwegrasten und dichten Rauch und Asche produzierten. Dies erklärt auch die „dunkle Zone“ in den Ablagerungen: “Die gute Konservierung und die dunkle Farbe der fossilen Pflanzenreste in der dunklen Zone waren das Resultat einer Verkohlung“, erklärt das Team.
Eine Schlüsselrolle für die jahrtausendelang im urzeitlichen Europa grassierenden Feuer spielten die Farne: „Wenn Farne vertrocknen, bilden sie dicke, trockene Matten, die einem Brand ideale Nahrung bieten“, erklärt van de Schootbrugge. Gleichzeitig wachsen Farne nach einem Feuer schnell wieder nach: Ihre unterirdischen Pflanzenteile überstehen den Brand und schlagen wieder neu au. Weil Farne sich auf diese Weise schneller regenerieren konnten als andere Pflanzen, förderten die Feuer ihre Verbreitung – ein echter Teufelskreis.
„Die Farne lieferten den Treibstoff für die Brände und profitierten von ihnen. Das wiederum löste wiederkehrende Brände aus. Es war damals eine wirklich höllische Welt“, sagt van de Schootbrugge. „Daraus können wir heute eine Lehre ziehen: Die Kombination von Klimawandel, Entwaldung und der Ausbreitung opportunistischer Arten liefert die Zutaten für eine perfekte Katastrophe.“
Quelle: Teuntje Hollaar (Universität Utrecht) et al., Nature Geoscience, 2026; doi: 10.1038/s41561-026-02048-4





