Ein gewaltiger Schatzfund in der sibirischen Steppe nahe der mongolischen Grenze interessiert nicht nur die Archäologen.
Nachdem die Holzbohlen aus der Grube gewuchtet waren, „mussten wir nur noch ein bisschen Staub und Dreck wegwischen” – dann schauten die Archäologen auf den größten skythischen Goldschatz, der je geborgen wurde. Prof. Hermann Parzinger vom Deutschen Archäologischen Institut (DAI) in Berlin und seine russischen Mitgräber hatten ein unangetastetes Fürstengrab in der sibirischen Steppe gefunden. Die sonst zurückhaltenden Archäologen kamen ins Schwärmen: „Sensation”, „ohne Vergleich”, „ wunderschön”. Kein Wunder, denn die beiden Toten, ein Mann und eine Frau, waren verschwenderisch für das Jenseits geschmückt: Hunderte von Goldperlen zierten die Schuhe der Frau, die Haarnadeln waren aus Gold ebenso wie der Henkel ihrer Holztasse und ihr Kamm. Der Mann trug einen massiven goldenen Halsreif, an seinem Hemd glitzerte hunderte von Goldperlen, auch sein Köcher bestand aus Gold, selbst die eiserne Pfeilspitze war vergoldet. Sogar seine Stiefelstulpen waren aus dem gelben Edelmetall gefertigt, und 6000 Goldplättchen klingelten vor 2400 Jahren an seiner Kleidung. Der Schatz hatte die Zeiten in einem „Kurgan” überdauert, einem jener Grabhügel, in denen die sibirischen Reiternomaden ihre edlen Toten bestatteten. Auf der Hochebene von Arzan bei Tuva, westlich von Irkutsk, massieren sich die Kurgane. Meist sind sie aus Erde aufgeschichtet, der Goldhort jedoch befand sich in einem Kurgan aus gewaltigen Steinplatten. Seit 1996 arbeitet das DAI in der Gegend, der Goldfund im letzten Jahr brachte die unerhoffte Krönung. Die Schätze wurden umgehend nach St. Petersburg gebracht – zur Restaurierung, aber auch als Schutzmaßnahme. Bei Grabungen in diesem Frühjahr fanden die Archäologen in dem steinernen Kurgan (80 Meter Durchmesser) ein Scheingrab, die ungewöhnliche Doppelbestattung zweier Krieger und ein Pferdegrab aus 14 Tieren, die mit etlichen Goldplättchen in Schweif und Mähne geschmückt waren. Die Fundstätte wird von Kosaken bewacht. Im Sommer wurden ein Bewacher und ein Arbeiter entführt und ermordet – man munkelt von Mafia. Ein Filmteam der ZDF-Serie „Schliemanns Erben” begleitete die diesjährige Ausgrabung über mehrere Wochen. „Schliemanns Erben extra” berichtet am Sonntag, den 27. Oktober, um 19.30 Uhr über „Das Gold von Tuva”.
Michael Zick





