Der Psychologe Fred Rist leitet die Prokrastinations-Ambulanz an der Universität Münster.
Warum haben Sie die Ambulanz eingerichtet, Herr Professor Rist?
Wer zu uns kommt, hat ein ernstes Problem: Er verschiebt Dinge, die für ihn wichtig sind, obwohl er im Prinzip daran arbeiten könnte. Das trifft an unserer Universität jeden siebten Studierenden. Die Hilfesuchenden leiden unter ihrem Verhalten, viele werden depressiv.
Sind diese Leute nicht einfach faul?
Nein! Einem faulen Menschen ist es egal, was er tut – einem Prokrastinierer nicht. Der will eine wichtige Aufgabe wie eine Abschlussarbeit erledigen, behindert sich aber selbst durch andere Beschäftigungen. Das hängt oft mit Versagensangst zusammen: Solche Menschen fürchten, dass ihre Arbeit nicht gut genug wird. Die Prokrastination schützt ihren Selbstwert. Es ist paradox: Ein Prokrastinierer rechtfertigt die Konkurrenztätigkeiten mit der Arbeit, die er erledigen muss.
Was kann man dagegen tun?
Wir haben eine Gruppen-Intervention entwickelt, mit der bereits über 250 Studierende behandelt wurden. Das Training geht die Kernprobleme an: pünktliches Beginnen und realistisches Planen. Die Teilnehmer führen ein Online-Tagebuch ihrer geplanten und ihrer bereits erledigten Tätigkeiten. Außerdem lernen sie, durch eine „Zeitbudgetierung” kontinuierlicher zu arbeiten.
Haben Sie diese Methode in Studien überprüft?
Ja, die Wirkung haben wir nachgewiesen. Und die Verhaltensänderungen sind stabil, wie wir aus einer Nachbefragung nach drei Monaten wissen.





