Der Führer der streng islamischen Taliban, Mullah Mohammed Omar, fordert die Zerstörung sämtlicher in Afghanistan befindlichen Statuen. Unter den Statuen befinden sich auch alte vorislamische Figuren, wie zum Beispiel die weltweit größte stehende Buddha-Statue. Omar erließ die Verordnung genau zu dem Zeitpunkt, als eine internationale Delegation in Kabul zu einem Treffen mit Taliban-Führern eintraf. Die Vermittler wollten die Taliban aufrufen, das bedrohte Kulturerbe Afghanistans zu bewahren.
Die alten Buddhas Afghanistans aus dem 5. Jahrhundert befinden sich in Bamiyan, etwa 150 Kilometer von der Hauptstadt Kabul entfernt. Der weltweit größte stehende Buddha ist ganze 53 Meter hoch, sein kleinerer Bruder daneben misst immerhin noch 37 Meter. Beide Statuen sind direkt aus dem Gebirge gehauen und wurden bereits bei Kämpfen (1992 ? 1996) der rivalisierenden islamischen Gruppen beschädigt. Weitere Kunstschätze aus vorislamischer Zeit waren im Museum Afghanistans aufbewahrt, bis dieses in den Kämpfen zerstört und deren Inhalt gestohlen und in die ganze Welt verkauft wurde.
Berichten zufolge wurden die Gesichter der Buddha-Statuen zerstört, da laut Taliban im Islam die Darstellung von Gesichtern verboten ist. Die Taliban vertreten eine sehr radikale Auslegung des Islam, die die meisten Formen der Vergnügung und Fotografien ausschließt. Außerdem müssen Männer nach dem Vorbild des Propheten Mohammed Bärte tragen. Auch muss jeder, wie es der Koran vorschreibt, fünf Mal am Tag beten. Am härtesten trifft es die Frauen. Sie müssen ihren ganzen Körper verhüllen, dürfen nicht ohne verwandte männliche Begleitung aus dem Haus. Arbeiten und Schule sind für sie tabu.
Bislang regieren die Taliban 95 Prozent des Landes. Die internationale Delegation hat sich zu den neuen Forderungen der Taliban, die Statuen zu zerstören, noch nicht geäußert. (Associated Press)
Birgit Kahler





