Wer war wilder? Praktisch alle davor. Schon im antiken Ägypten gab es heilige Trinkfeste, tagelange Saufgelage zu Ehren der Göttin Hathor. Sozusagen ein ägyptisches Oktoberfest. Dass damals bereits „Fürstenfeld“ und „Who the fuck is Alice“ intoniert wurden, ist aber nicht überliefert. Ein besonderes Dokument über frühen Alkoholkonsum findet man im israelischen Archäologiemuseum. Auf einer knapp 4000 Jahre alten Tontafel aus Mesopotamien werden zwei Menschen beim Biertrinken gezeigt – und anderen Aktivitäten. Tatsächlich sind zwei Menschen beim Geschlechtsverkehr dargestellt, wobei der vordere von beiden mit einem Strohhalm Bier aus einer Amphore trinkt.
Warum? Damit er, wenn es beim Sex ruckelt, nichts ausschüttet und damit Wespen anlockt? Möglich, aber vermutlich waren andere Gründe vorrangig. Das Bier von damals war mit heutigem Gerstensaft kaum vergleichbar. Handelte es sich dabei doch eher um eine trübe, alkoholische Suppe aus vergorenem Brot mit jeder Menge Stückchen darin, und der optischen Anmutung, als wäre es schon einmal getrunken und – vermählt mit dem bereits vorhandenen Mageninhalt – reproduziert worden. Da kommt der Strohhalm ins Spiel: Durch ihn konnte man geschickt an den Bröckerln vorbei trinken. Rezepte für dieses Brotbier kennt man auch heute noch. Wer möchte, kann also Bier trinken wie die Mesopotamier. Ob mit oder ohne andere Aktivitäten.
Den Strohhalm braucht man beim Biertrinken heute nicht mehr, um dabei nicht gleichzeitig eine Anzahl Festkörper in den Mundraum zu verfügen. Aber es wird manchmal behauptet, man würde schneller betrunken, tränke man etwa Bier mit dem Strohröhrl, wie sich der Strohhalm in Österreich rufen lässt. Käme man damit tatsächlich schneller zum Erfolg, wenn Erfolg Rausch bedeutet?
Schleimhautvergleich
Ja und nein. Beim Trinken mit dem Strohhalm kommt der Alkohol länger mit der Mundschleimhaut in Kontakt. Von da aus gelangt er direkt ins Blut und spart sich so den Umweg über den Magen, wo ein Teil des Alkohols aufgespalten würde. Schneller betrunken wird man dadurch aber nicht zwangsläufig. Denn die Schleimhaut im Mund ist winzig im Vergleich zur Schleimhaut im Dünndarm, die gleich rund 10.000 Mal größer daherkommt. Und so ist das bisschen Alkohol, das durch die Mundschleimhaut aufgenommen wird, im Vergleich zu vernachlässigen.
Kann ein Strohhalm also gar keine Rolle spielen, wenn es um schnellere Blunzenfette aka Breite geht? Höchstens indirekt. Denn wie schnell man betrunken wird, hängt ja auch davon ab, was man trinkt und wie schnell – und das wiederum davon, auf welche Weise man zecht. Aber nicht in erster Linie, ob man gut gelaunt in Gesellschaft bechert oder ob man seine Traurigkeit einsam runterspült. Trinken mit einem Strohhalm ist vielmehr einfach und gelingt schnell. Zumindest wenn man noch in der Lage ist, mit dem Röhrl in den Mund zu treffen. In Cocktails, die man gern mit Strohhalm trinkt, ist oft reichlich Alkohol drin, dessen Aroma jedoch gern von Süße überdeckt wird. Diese Gemengelage kann schnellerer Betrunkenheit durchaus Vorschub leisten. Bier oder Wein trinkt man dagegen selten mit Strohhalm. Wer jetzt aber behauptet, eine Maß Bier am Oktoberfest sei groß, schwer und unhandlich, weshalb man langsamer und mit Bedacht trinken müsse, der war noch nie auf dem Oktoberfest. Langsam und vorsichtig zu trinken, wäre dort vermutlich eine Jahrmarktsattraktion. Wie früher Elefantenmensch oder Frau ohne Unterleib. Oder eben der Mann, der Bier mit einem Strohhalm trinkt, um schneller betrunken zu werden!





