Von Speeren durchbohrt
Die Altersbestimmung mittels der Radiokarbonmethode ergab: Der Mammutbulle starb vor etwa 45.000 Jahren. Was ihm damals den Tod gebracht hatte, war den Forschern zufolge ebenfalls eindeutig feststellbar: Das Tier war übersät von Wunden, die ihm menschliche Waffen zugefügt hatten. Besonders an den Rippen und am Kopf fanden die Wissenschaftler einschlägige Spuren scharfer Objekte – wahrscheinlich von Speeren. Darüber hinaus entdeckten sie Hinweise auf eine Bearbeitung des Tieres nach seinem Tod – die vermutlich spektakuläre Mammutjagd war demnach ein Erfolg gewesen. Es wurden sogar Teile eines Stoßzahns entfernt, möglicherweise um aus dem Elfenbein Werkzeuge herzustellen, sagen die Forscher.
“Diese Ergebnisse lassen keinen Zweifel darüber, dass es in der Arktis bereits vor etwa 45.000 Jahren Menschen gegeben hat”, schreiben Vladimir Pitulko von der Russischen Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg und seine Kollegen im Wissenschaftsmagazin “Science”. Bisher stammten die ältesten Hinweise auf die Gegenwart des Menschen nördlich des Polarkreises aus einer Zeit vor etwa 35.000 Jahren. Doch offenbar waren sie schon deutlich früher in diesem harschen Lebensraum unterwegs. Sie besaßen demnach bereits damals die Fähigkeiten, sich der extremen Kälte anzupassen und sich in dieser kargen Region ausreichend mit Nahrung zu versorgen.
Schlüsselfaktor Mammutjagd
Vermutlich waren die Mammuts die großen Magneten, die die Menschen in diese unwirtliche Landschaft zogen, sagen die Forscher: Die Spezialisierung auf die Mammutjagd könnte der Schlüssel für die enorme Ausbreitung des Menschen nach Norden gewesen sein. Auf diese Weise sind sie möglicherweise auch schon sehr früh in den Bereich der Beringstraße gelangt, schreiben Pitulko und seine Kollegen. In der Eiszeit gab es hier eine Landbrücke, die von Sibirien nach Nordamerika führte. Sie gilt als die Einwanderungsroute der ersten Menschen in die Neue Welt. Letztlich hat die Mammutjagd damit wohl auch die Grundlage für die Eroberung des amerikanischen Doppelkontinents gebildet. Für die zotteligen Giganten endete diese Rolle als Beutetiere vermutlich fatal: Die meisten Experten gehen heute davon aus, dass der Mensch zumindest teilweise für ihr Aussterben am Ende der Eiszeit verantwortlich war.





