Medizin
Nach komplizierten Knochenbrüchen reicht kein Gips – hier muss die Fraktur für eine optimale Heilung zusätzlich stabilisiert werden. Dafür werden Röhrenknochen – zum Beispiel im Oberarm – normalerweise „genagelt”: Der Arzt führt einen Metallstab in den Hohlraum des Knochens ein und verschraubt ihn an beiden Enden. Das erfordert allerdings an zwei Stellen operative Eingriffe. Wissenschaftler der Universität Augsburg und der Universitätsklinik Erlangen haben jetzt ein Verfahren vorgestellt, das die Stabilisierung eines Röhrenknochenbruchs vereinfacht. Das Team um Wolfgang M. Franck und Wolfgang Biegel hat einen Knochennagel entwickelt, der sich – ähnlich wie ein Dübel – an seinem oberen Ende gezielt im Hohlraum des Knochens aufspreizt und so selbstständig verankert. Dadurch wird die Operation vereinfacht und die Operationszeit erheblich verkürzt.
Der Nagel besteht aus Nitinol – einer Formgedächtnis- Legierung aus Nickel und Titan. Bei niedrigen Temperaturen ist Nitinol formbar und elastisch, unter Wärmezufuhr „erinnert” es sich an seine ursprüngliche Form. Der Urzustand des neuen Nagels ist gespreizt. Um ihn einzusetzen, kühlt man ihn ab, durch die Wärme des Körpers dehnt er sich im Knochen aus. Um das Implantat zu entfernen, wird es wieder gekühlt.
Hans Groth





