Hinweise auf das Risiko, unfruchtbar zu werden, brechen in ländlichen Gegenden Gambias eher das Schweigen über Geschlechtskrankheiten als die Warnung vor Aids. Darin liegt ein deutlicher Gegensatz zu westlichen Kulturen. Dies berichten Wissenschaftler der Medical Research Council Laboratories (MRC) Banjul in Gambia, Westafrika, im aktuellen Heft der Fachzeitschrift The Lancet.
1.348 Frauen aus der Gegend um Farafenni, nördlich des Flusses Gambia, beteiligten sich an der MRC-Studie zur reproduktiven Gesundheit. Mehr als 70 Prozent litten an Erkrankungen der Geschlechtsorgane und ein Drittel war mit Herpes Simplex Virus 2 infiziert. Trotzdem nahmen weniger als die Hälfte der Frauen ärztliche Hilfe in Anspruch. Da ihre Freundinnen und Verwandten oft selbst betroffen sind, meinen viele Frauen, die Symptome seien normal oder nicht heilbar.
Gambias Landbevölkerung lebt überwiegend von der Subsistenzwirtschaft, ihr Bildungsstand ist niedrig. Lang anhaltende Fruchtbarkeit und Mutterschaft sind für Frauen nahezu die einzige Absicherung. Ihr Status definiert sich fast ausschließlich darüber. Sie heiraten durchschnittlich mit 15 Jahren und haben im Schnitt 6,8 Kinder. In einigen Gegenden Gambias wird der Koran so interpretiert, dass es als Scheidungsgrund gilt, wenn Ehen länger als sieben Jahre kinderlos bleiben. Deshalb sind Geschlechtskrankheiten, besonders wenn sie zu Unfruchtbarkeit führen, für Frauen ein großes Problem.
Gijs Walraven, Leiter der Studie, sieht den Schlüssel darin, Frauen und Männer zu bilden und aufzuklären. “Die Gemeinschaften müssen Verantwortung für die Gesundheit der Frauen übernehmen. Dabei müssen die Belange der Frauen im Vordergrund stehen und nachhaltig berücksichtigt werden,” so Walraven.
Anna Voormann





