von Ralf Butscher
Wer sich wie der Autor dieses Beitrags auf eine geführte Rundreise durch Marokko begibt, macht vermutlich irgendwann auch in Ouarzazate Station. Die Stadt mit rund 70 000 Einwohnern liegt in mehr als 1000 Meter Meereshöhe südlich des Atlasgebirges, inmitten einer kargen Landschaft und nicht weit entfernt vom Westrand der Sahara. Das Wetter: fast immer wolkenloser Himmel und strahlender Sonnenschein.
Es ist daher kaum verwunderlich, dass vor einigen Jahren nur rund zehn Kilometer vor den Toren von Ouarzazate eines der größten Solarkraftwerksareale der Welt errichtet wurde. Gleich vier riesige Kraftwerke reihen sich dort auf einer Ebene aneinander. Die Anlagen, die zwischen 2016 und 2018 in Betrieb gingen, tragen die Bezeichnungen „Noor“ I bis IV, wobei das arabische Wort Noor auf Deutsch „Licht“ bedeutet. Sie produzieren elektrischen Strom aus der Energie des Sonnenlichts – mit einer installierten Leistung von insgesamt rund 600 Megawatt. Das ist etwa halb so viel wie ein modernes Gas- oder Kernkraftwerk an Leistung liefern kann.
Breite Palette an Technologien
Doch die Kraftwerke nutzen zur Stromproduktion unterschiedliche Technologien. Die jüngste und mit maximal gut 70 Megawatt leistungsschwächste der vier Anlagen besteht aus einem rund 140 Hektar großen Gelände mit Hunderten aneinandergereihten Photovoltaikmodulen, die die Energie des Sonnenlichts direkt in elektrischen Strom verwandelt. Sie nutzt damit dieselbe Technik, die man auch von den bläulich schillernden Solarpaneelen auf Hausdächern oder in den immer häufiger zu sehenden Solarfeldern am Rand von Autobahnen oder Bahnlinien kennt.
Die Technologie, auf der die benachbarten Anlagen Noor I, II und III basieren, unterscheidet sich davon grundlegend. Es sind sogenannte solarthermische oder Sonnenwärmekraftwerke. Deren grundsätzliches Funktionsprinzip ist dem von Kohle- oder Gas- und Dampf-Kraftwerken nicht unähnlich: In einem geschlossenen Kreislauf zirkuliert Wasser, das an einem Ende als heißer Dampf eine Turbine antreibt. Deren Rotation wiederum gibt einem Generator Schwung, der die Bewegungsenergie in elektrischen Strom verwandelt. Danach wird das Wasser abgekühlt, es kondensiert und strömt zum Ausgangspunkt zurück. Dort wird es wieder erhitzt und verdampft erneut.
Doch während in einem fossilen Kraftwerk die für das Verdampfen des Wassers benötigte Wärme aus der Verbrennung etwa von Kohle oder Erdgas stammt, bezieht eine solarthermische Anlage dazu Energie aus dem Sonnenlicht. Dafür wird es durch Spiegel auf eine kleine Fläche fokussiert und konzentriert, die sich dadurch stark erhitzt – und auf diese Weise letztlich flüssiges Wasser in Dampf verwandelt. Solche Anlagen mit einer sogenannten Strahlungsbündelung – im englischen Fachjargon „concentrated solar power“ (CSP) genannt – werden auch im marokkanischen Ouarzazate eingesetzt.





