Klaus ist begeistert. Am Mittagstisch haben Arbeitskollegen vom neuesten Actionfilm geschwärmt. Gleich nach dem Abendessen geht er online und ruft den Film aus dem Netz ab. So könnte der Fernsehabend der Zukunft aussehen: „Video on demand”.
Streaming heißt die Technik, mit der die bewegten Bilder übertragen werden. Doch noch müssen wir auf den perfekten TV- und Videogenuß warten. Der Grund sind die hohen Übertragungsraten, die das Verfahren erfordert. Wer sich schon mal im Internet Online-Videosequenzen angeschaut hat, kennt die langsamen Übertragungsgeschwindigkeiten. Für eine gute Übertragungsqualität ist auch das Verfahren zur Komprimierung der Bilddaten entscheidend. Neben Microsoft (Windows Media Video), Apple (QuickTime) und RealNetworks (RealVideo) haben sich auch etliche andere Treiber etabliert. Von einem gemeinsamen Standard ist die Industrie aber noch weit entfernt.
Die Datenmengen von guten Filmsequenzen sind immens. Bei der Komprimierung der Daten nutzt man aus, daß sich die Bilder nur langsam ändern. Mit Übertragungsgeschwindigkeiten, die im Bereich eines DSL-Anschlusses (768 kBit/s) liegen, läßt sich bereits eine gute Qualität bei der Bildwiedergabe erzielen. Engpässe entstehen aber, wenn das Netz überlastet ist oder zu viele Anwender gleichzeitig auf eine Online-Sequenz zugreifen.
Verschiedene Anbieter planen deshalb Allianzen, um ein eigenes Netzwerk bei Streaming Anwendungen zu schaffen. Als Übertragungsmedien kommen Kabelanschlüsse mit Rückkanal, DSL-Anschlüsse oder Satellitensignale in Frage. Spätestens im Jahr 2009 dürften alle Haushalte über digitale Fernsehanschlüsse verfügen. Dann wird der Fernseher mit angeschlossenem Zusatzgerät (Settop Box) Video und Fernsehen auf Bestellung in DVD-Qualität liefern. Auch das Surfen im Netz wird mit dem Gerät möglich sein. In verschiedenen Städten laufen hierzu bereits Pilotprojekte. Am weitesten ist man mit einem Projekt in Seoul (Südkorea). Dort waren Ende vergangenen Jahres fast 100000 Nutzer an ein unabhängiges „Video on demand”-System angeschlossen. „Die Chancen für eine schnelle Einführung auch bei uns stehen gut. Hauptproblem sind zur Zeit noch die vielen verschiedenen Normen und die unzureichenden Netzkapazitäten”, meint Stefan Riedel, technischer Produktmanager der Firma Metabox 1000.
Schon heute holen sich weltweit etwa 40 Millionen Anwender regelmäßig Videosequenzen aus dem Netz – Tendenz steigend. Vor allem Live-Events wie Konzertübertragungen und Sportveranstaltungen sind gefragt. Ein gewaltiges Marktpotential: Umfragen zufolge würden fast 90 Prozent aller Fernsehbesitzer in Deutschland ein „Video-on-demand”- System nutzen.
Wie sich das System finanzieren soll, ist noch unklar. Eine Möglichkeit wären Nutzungsgebühren. Für die neuesten Videofilme wird ein Preis zwischen 3 und 5 Mark pro Film anvisiert. In Frage kommt auch eine Finanzierung über eingeblendete Werbespots.
Heruntergeladene Filme werden so kodiert, daß nur ein einmaliges Abspielen des Films möglich ist – das verhindert illegales Kopieren. Auch kostenlose Tauschbörsen mit kopierten Filmen im Stil der Musik-Tauschbörse Napster wird so das Wasser abgegraben.
Um Kinder und Heranwachsende vor Filmen mit Gewalt- und Pornoszenen zu schützen, werden die Zusatzgeräte mit persönlichen Schlüsselkarten ausgestattet. Die Erwachsenen können darauf speichern, zu welchen Programmen die Kinder Zugang haben.
Sebastian Moser





