Bei den Berichten über den Ersten Kaiser von China, seinen Größenwahn und seine Existenzangst, seine Erfolge und seine angeblich Millionen zählenden Opfer gibt es ein Problem, sagt der Sinologe Hans van Ess von der LMU München: „Das alles wissen wir nur aus einer Quelle, nämlich von Sima Qian.”
Die siegreichen Rebellen gegen die Qin-Dynastie des Ersten Kaisers arbeiteten so gründlich, dass es aus der Qin-Zeit keine schriftlichen Nachrichten gibt. Erst Sima Qian, ein hochrangiger Beamter am Hof der nachfolgenden Han-Dynastie, berichtet über die Reichseinigung. Sima Qian gilt als Chinas erster Geschichtsschreiber und wird in seiner Wirkung oft mit Herodot verglichen.
Sein persönliches Schicksal ist tragisch. Nach steiler Karriere bei Hofe in Ungnade gefallen, wurde ihm die Wahl gelassen zwischen Selbstmord und Kastration, einer damals üblichen, demütigenden Form von Strafe. Da seine Aufgabe, die erste Geschichte Chinas zu schreiben, für ihn schwerer wog als die Schmach der Entmannung, entschied er sich gegen den Suizid. In der Verbannung schrieb er zwei Exemplare seines Geschichtswerks mit jeweils einer halben Million Zeichen. Erst sein Enkel konnte es publizieren.
Mit Shiji liefert Sima Qian ein erstes Kompendium der Geschichte Chinas vom mythologischen Gelben Kaiser bis in seine Zeit im ersten Jahrhundert vor Christus. In einer bunten Mischung aus Mythos, Erzählung, Bibliotheksquellen, Faktenbericht, eigener Wertung des Geschehens und fiktiver Autobiografie mit wörtlicher Rede seiner Helden schuf er ein literarisch großes und geschichtlich nachhaltiges Werk, vergleichbar mit dem Alten Testament.
Shi Huangdi, der Erste Kaiser Chinas, wird bei Sima Qian nur negativ geschildert. Doch Sinologe van Ess schränkt ein: „Es ist durchaus möglich, dass einige Berichte über den Ersten Kaiser von den Erfahrungen geprägt sind, die der Historiker Sima Qian unter seinem herrschenden Kaiser der Han-Dynastie gemacht hat.”





