In einem dreijährigen Forschungsprojekt in Brandenburg durften freilaufende Schweine zeigen, daß sie geborene Naturschützer sind.
Der Naturschutz ist auf das Schwein gekommen – zumindest in der Brandenburgischen Elbtalaue: Gut 50 wühlende und suhlende Hausschweine liefern dort seit 1993 nicht nur Fleisch, sondern zusätzlich einen Beitrag zum Umweltschutz. So lautet das Resümee der Doktorarbeit von Delia Micklich am Forschungsinstitut für die Biologie landwirtschaftlicher Nutztiere in Dummerstorf. Micklich untersuchte in ihrer Arbeit die Wirkung der Freilandhaltung verschiedener Schweinerassen auf die natürliche Vegetation.
Der Studie zufolge haben die Tiere auf einer 18 Hektar großen Versuchsfläche bei Lenzen die pflanzliche Vielfalt innerhalb eines Jahres um 30 Prozent erhöht. Die tierische Strategie zur Erhöhung der pflanzlichen Artenzahl: wühlen, wühlen und nochmals wühlen.
Unter der Obhut von Delia Micklich gruben auf einem Hektar Land im Schnitt fünf Säue und ein Eber pro Rasse drei Jahre lang für den Artenschutz. Wühlaktivität und Wühltiefe wurden dabei ebenso festgehalten wie der Pflanzenbestand auf den Versuchsflächen vor und nach dem Brechen der Grasnarbe.
Was für die Tiere nichts weiter als die Suche nach neuen Nahrungsquellen ist, bedeutet für die Pflanzen der Weide eine gravierende Änderung der Lebensbedingungen. Gräser wie der Wiesenfuchsschwanz, die Wiesenrispe und andere typische Vertreter einer Frischwiese wurden umgepflügt und in ihrer Zahl dezimiert – sehr zum Nutzen vieler krautiger Pflanzenarten, die gegen das dichte, zum Teil meterhohe Gras im Konkurrenzkampf um Licht und Boden bislang den kürzeren zogen. “Samen, die durch die zuvor feste Grasdecke am Wachsen gehindert wurden, erhalten nun die Chance zu keimen”, berichtet die Biologin.
Zu diesen Pflanzen gehören besonders Acker”un”kräuter und Ruderalpflanzen, die man häufig an Schutthalden, Straßenrändern und landwirtschaftlich genutzen Flächen findet. Solche Pionierpflanzen sind zum Beispiel die Schafgarbe und der Gänsefuß. Aber selbst gefährdete Pflanzen wie die Wiesenflokkenblume, das Dreimännige Tännel und der Gemeine Wasserhahnenfuß siedelten sich auf der von Schweinen beweideten Fläche an.
Regelmäßige Bestimmungen des Pflanzenbestandes zeigten allerdings, daß die Vegetation sehr schnell wieder in den Ausgangszustand einer Frischwiese mit dichter Grasnarbe zurückkehrt. “Überläßt man gebrochene Flächen sich selbst, so kommt es zur Minderung der Artenzahl”, sagt Delia Micklich. Stieg die Zahl der krautigen Arten nach der “Schweinerei” von 22 auf 36, so ging ihre Zahl nach einjähriger Brache auf 18 Arten zurück.
Die Hoffnung der Wissenschaftlerin, daß sich auch die ursprünglichen Gehölze des Auwaldes wieder ansiedeln würden, erfüllte sich nicht.
Dennoch glaubt Micklich, daß die Schweine eine Schlüsselstellung bei der geplanten Re-naturierung des heimischen Auwaldes im Landschafts- und Naturschutzgebiet Brandenburgische Elbtalaue” einnehmen könnten. Durch das Wühlen würden die Wiesenflächen auf ihre Aufgabe als künftige Saatbetten für Samen typischer Auwaldvertreter wie Stieleichen, Erlen, Eschen, und Weiden vorbereitet.
Völlig ungeeignet sei die Schweinehaltung im freien Feld für die Fleischproduktion, da der Flächenverbrauch pro Schwein zu hoch sei, meint Heide-Dörte Matthes von der Dummerstorfer Forschungsanstalt. “Die Methode ist zwar ökologisch, aber nicht ökonomisch und kann allenfalls punktuell zur landschaftspflegerischen Nutzung beitragen.”
Julia Thiele





