Eine schwierige Umgebung und Nachbarschaft kann der Gesundheit genauso schaden wie ein falscher Lebensstil, berichten Wissenschaftler des University College London. Wie eine Studie ergab, tragen Probleme in der Nachbarschaft wie Lärm, Kriminalität, Gestank, Abgase und Müll derart zum alltäglichen Stress bei, dass gesundheitliche Auswirkungen möglich sind.
Menschen mit kritischer Nachbarschaft schätzen ihre eigene Gesundheit schlechter ein. Sie berichten über psychische Probleme und über Schwierigkeiten, alltägliche Aufgaben durchzuführen, so Andrew Steptoe vom Department of Epidemiology and Public Health des University College London. Wie Steptoe in der August-Ausgabe der “Annals of Behavioral Medicine” darlegt, wirkt sich chronischer Stress in städtischen Umgebungen deshalb so stark auf die Gesundheit aus, da er als unkontrollierbar empfunden wird.
Der Forscher und seine Kollegen hatten 419 Bewohner von 18 Londoner Wohngebieten mit hohem Sozialstatus befragt und 235 Bewohner von 19 Gebieten mit geringerem Sozialstatus. Die Probanden beantworteten Fragen zur eigenen Gesundheit und Lebensstil und kreuzten auf einem Fragebogen an, was sie in ihrer Nachbarschaft stört.
Für die Forscher nicht überraschend: Bewohner ärmerer Wohngegenden berichteten über mehr Probleme mit Nachbarn. In wohlhabenderen Gegenden herrschte mehr Vertrauen und gegenseitige Unterstützung. “Die ersten Ergebnisse zeigen, dass viele Probleme mit der Nachbarschaft Quellen von chronischem Stress sind. Sie erhöhen das Risiko für schlechtere Gesundheit in Wohngegenden mit niederem Sozialstatus”, sagt Steptoe. Nachbarschaftsprobleme führen der Studie zufolge jedoch nicht zu vermehrtem Suchtverhalten: “Probleme mit Nachbarn tragen direkt zu einem hohen Stressniveau bei, ohne den Umweg über verstärktes Trinken oder Rauchen”, so die Forscher.
Almut Bruschke-Reimer





