Die Nachbarschaft, in der ein Kind aufwächst, beeinflusst offenbar mehr als der sozioökonomische Status der Eltern, ob das Kind problematisches Verhalten an den Tag legt. Dies fanden Wissenschaftler der Universität Maastricht heraus. Ihre Studie ist im “Journal of Epidemiology and Community Health” erschienen.
Das Forscher-Team unter Leitung von Jim van Os sammelte Daten über das Verhalten von 734 Kindern im Alter zwischen fünf und sieben Jahren. Die Berichte über das Verhalten der Kinder kamen von den Eltern. Insgesamt zeigte sich, dass einkommensschwache Familien oder geschiedene Eltern mit höherer Wahrscheinlichkeit Kinder mit Verhaltensproblemen hatten als finanziell besser gestellte Familien oder Nicht-Geschiedene.
Dennoch konnte der die Nachbarschaft ? das heißt der Wohngegend, ihrer Infrastruktur und der sozialen Bindungen ? mit Hilfe eines bestimmten statistischen Verfahrens als eigenständiger Faktor isoliert werden. Dadurch wurde es möglich, unabhängig von anderen sozioökonomischen Faktoren die positive oder negative Wirkung der Nachbarschaft auf das Verhalten der Kinder herauszukristallisieren. So konnten die Forscher feststellen, dass Kinder aus einkommensschwachen Familien mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit Verhaltensprobleme hatten, wenn sie in armen Gegenden wohnten, als wenn sie in gutbürgerlichen Vierteln mit guter Infrastruktur lebten.
Als Erklärung dafür, warum sich die Art der Nachbarschaft so stark auf das Verhalten von Kindern auswirkt, sehen die Forscher mehrere Faktoren. Dazu gehören neben rein architektonischen wie dem Aussehen und dem Schnitt der Wohnungen auch demographische Faktoren wie Überbevölkerung von Vierteln oder Überbelegungen von Wohnungen. Wichtig ist auch die Frage nach sozialem Zusammenhalt und Nachbarschaftshilfe, das Vorhandensein von Sozial- oder Familienberatungsstellen und anderen für Familien wichtige Einrichtungen.
Doris Marszk





