Gedächtnisprobleme nach acht Wochen
Schon länger besteht zudem der Verdacht, dass eine salzreiche Kost auch dem Gehirn schaden könnte. Ob das so ist und welche Mechanismen dahinterstehen, haben nun Giuseppe Faraco von Weill Cornell Medicine in New York und seine Kollegen untersucht. Für ihre Studie verabreichten sie zunächst verschiedenen Mäusegruppen ein Futter, das vier oder acht Prozent Kochsalz enthielt. “Damit ist diese Diät vergleichbar mit dem, was Menschen mit einer sehr salzreichen Koste zu sich nehmen”, erklären die Forscher. Nach acht Wochen dieser Fütterung untersuchten die Forscher, wie sich die Durchblutung des Gehirns dadurch verändert hatte. Das Ergebnis: Der Blutfluss war bei den salzreich ernährten Tieren im Cortex um 28 Prozent, in dem für das Gedächtnis wichtigen Hippocampus um 25 Prozent gesunken.
Um herauszufinden, wie sich dies auf die kognitiven Leistungen der Mäuse auswirkte, führten die Forscher zwei verschiedenen Gedächtnistests durch. Im ersten beobachteten sie, ob die Tiere bereits bekannte Objekte von völlig neuen unterscheiden konnten – letztere müssten sie dann länger beäugen und beschnüffeln. Im zweiten sollten sich die Mäuse daran erinnern, wo der Ausgang in einem Labyrinth lag. Es zeigte sich: In beiden Tests schnitten die salzreich ernährten Tiere deutlich schlechter ab als die normal gefütterten Kontrollmäuse. Dies galt sowohl für jüngere als auch für ältere Mäuse, wie die Wissenschaftler berichten. Allerdings: Diese kognitiven Einbußen erwiesen sich als reversibel: Bekamen die Mäuse einige Wochen lang wieder die normale, salzarme Kost, verbesserten sich auch ihre Gedächtnisleistungen wieder.
Effekt unabhängig von Blutdruck und Entzündung
Nun stellte sich die Frage, wodurch das Salz diese Effekte verursachte. Die bisher bekannten Folgen einer salzreichen Ernährung lassen sich oft auf eine chronische Entzündung der Gefäße und Gefäßwände zurückführen. “Doch in diesem Fall haben wir keinerlei Hinweise auf eine verstärkte Aktivität entzündlicher Enzyme gefunden”, berichten die Forscher. Auch die Entzündungsgene in den Hirngefäßen wurden nicht verstärkt abgelesen. “Das spricht dagegen, dass die kognitiven Einbußen und Störungen der Hirndurchblutung auf eine Entzündungsreaktion zurückgehen”, so Faraco und seine Kollegen.
Stattdessen entdeckten die Forscher bei näherer Analyse einen anderen Zusammenhang: Wenn die Mäuse salzreiche Kost erhielten, stieg in ihrem Darm die Zahl bestimmter Immunzellen und mit diesen auch die Menge des ausgeschütteten Botenstoffs Interleukin-17 (IL-17). Dieser Botenstoff wiederum zirkuliert im Blut und gelangt so auch ins Gehirn. Dort beeinträchtigt er die Versorgung der Blutgefäße mit Stickstoffmonoxid (NO), einer Verbindung, die für die Erweiterung der Adern und damit die gute Durchblutung des Gehirns sorgt. Experimente ergaben: Hemmten die Wissenschaftler bei den Mäusen die Produktion des Interleukin-17, blieben auch die kognitiven und neurovaskulären Folgen der salzreichen Kost bei ihnen aus.





