Eisbohrkerne und Computermodelle
Für ihre Studie entnahmen die Forscher einigen Alpengletschern Eisbohrkerne. In ihnen lässt sich die Entwicklung der Rußschichten nachvollziehen, wie bei den Ringen eines Baumes. Für ihre Analysen blickten sie nun gezielt auf die Zeit, in der die Eisschmelze eingesetzt hatte. Außerdem erstellten sie Computermodelle, die simulierten, welche Wirkung von den dunklen Schichten ausgeht und welcher Schmelzeffekt zu erwarten ist. Die Forscher fütterten also ihre Computer mit den Eigenschaften der damaligen Rußschichten und die Simulation lieferte dann ein Modell der Gletscherentwicklung. Ergebnis: Das Modell spuckte genau die Entwicklung aus, die den historischen Aufzeichnungen zufolge stattgefunden hatte.
Das Erklärungsmodell der Forscher erscheint plausibel: Mitte des 19. Jahrhunderts veränderte sich Europa enorm – die Industrialisierung kam richtig in Schwung und machte viel Dreck: Vor allem Kohle wurde massenweise verbrannt und der Rauch ungefiltert in die Umwelt geblasen. Der Ruß der private Haushalte, des Zugverkehrs und der Fabriken wirbelte bis in die Alpenhöhen und ließ sich dort auf den Gletschern nieder, erklären die Forscher. Dadurch reflektierten sie weniger Sonnenlicht, heizten sich auf und begannen zu schmelzen. „Die Studie zeigt also, dass vermutlich auch die Gletscherschmelze vor Beginn der Klimaerwärmung die Handschrift des Menschen trägt. – Eine Mahnung, wie stark sich unsere Aktivitäten auf die Umwelt auswirken können”, sagt Co-Autor Waleed Abdalati von der University of Colorado in Boulder.





