Ein bizarres Experiment japanischer Forscher hat bei Medizinern Befremden ausgelöst. Die Wissenschaftler um Nobufumi Kawai von der Jichi Medical School in Tochigi hatten einer zwölf Tage alten Ratte den Kopf abgetrennt, ihn auf den Oberschenkel eines erwachsenen Tieres transplantiert und mit dessen Blutkreislauf verbunden. Während der 90-minütigen Operation wurde der Kopf konstant auf 19 Grad Celsius gekühlt. Nach Angaben Kawais überlebte das Gehirn aufgrund der Kühlung und entwickelte sich normal. Der Rattenkopf habe sich sogar bewegt und den Mund geöffnet.
Mit ihrem Versuch wollten die Forscher Erkenntnisse über die Behandlung von Hirn-Ischämie bei menschlichen Babys gewinnen. Hirn-Ischämie ist eine Durchblutungsstörung des Gehirns, die bei der Geburt aufgrund von Sauerstoffmangel auftreten kann. Oft sind irreparable Schäden die Folge. Der renommierte britische Hirnforscher Denis Azzopardi vom Imperial College London erklärte jetzt allerdings, es sei schon lange bekannt, dass das Kühlen des Gehirns bei Ischämie die Gefahr von Schädigungen reduziere. Azzopardi bezeichnete die japanischen Versuche als unnötige Tierquälerei, da man Ischämie bei Ratten normalerweise studiere, indem man im Halsbereich die Arteria carotis abklemme.
Hans Groth





