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„Prototyp“ von Stonehenge entdeckt
Archäologie

„Prototyp“ von Stonehenge entdeckt

Der Steinkreis von Stonehenge ist eines der berühmtesten Megalith-Monumente der Welt. Doch war ist nicht das erste astronomische Bauwerk in dieser Region. · Foto: © Nicolamargaret/ iStock

Sonnenwenden im Blick: Schon 500 Jahre vor dem berühmten Steinkreis von Stonehenge gab es in seiner Nachbarschaft ein Sonnenwend-Observatorium, wie Archäologen entdeckt haben. Dieser „Stonehenge-Prototyp“ bestand in seiner Anfangszeit aus zwei hohen 120 Meter voneinander entfernten Holzpfosten, die auf die Sonnenaufgänge und -untergänge zu den Sonnenwenden zeigten. Dies unterstreicht, dass Stonehenge auf weit zurückreichenden Traditionen beruhte.
Autor
Nadja Podbregar
23. Juni 2026
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Archäologie

Der Steinkreis von Stonehenge ist das berühmteste Megalith-Bauwerk weltweit. Über kein anderes Steinzeitmonument wurde so viel spekuliert, fantasiert und geschrieben wie über diese vor rund 5.100 Jahren begonnene und in mehreren Phasen immer wieder aus- und umgebaute Anlage. So ist bis heute rätselhaft, warum die Stonehenge-Erbauer die Blausteine ihres Heiligtums aus dem fernen Wales herbeischafften, den Altarstein sogar aus Schottland.

Klar scheint aber, dass dieser jungsteinzeitliche Ritual- und Versammlungsort nach astronomischen Bezügen ausgerichtet war: Die um 2600 vor unserer Zeit aufgestellten Steine des inneren Hufeisens und der Altarstein markieren eine Linie, die auf den Sonnenaufgang zur Sommersonnenwende und den Sonnenuntergang zur Wintersonnenwende zeigt.

Vorläufer-Anlage lag nur fünf Kilometer entfernt

Jetzt enthüllt eine archäologische Entdeckung, dass es schon Jahrhunderte früher ein zu den Sonnenwenden ausgerichtetes Bauwerk in der Nähe von Stonehenge gab – einen „Prototyp“ des berühmten Steinkreises. Er wurde entdeckt, als Archäologen ein Baugelände der britischen Armee im fünf Kilometer entfernten Ort Bulford untersuchten. „Als wir mit den Ausgrabungen im Vorfeld des Kasernenausbaus begannen, ahnte keiner von uns, was wir finden würden“, sagt Richard Osgood, Archäologe vom britischen Verteidigungsministerium.

Die Ausgrabungen enthüllten die Relikte einer Anlage aus der Zeit um 2950 vor Christus – knapp 500 Jahre älter als der Steinkreis von Stonehenge. Ihren Kern bildeten zwei rund 120 Meter voneinander entfernte Gruben, in denen einst hölzerne Pfosten steckten. Sie bildeten eine Linie, die genau auf die Sonnenaufgänge und -untergänge zu den Sonnenwenden ausgerichtet war. Im Umfeld dieser Gruben entdeckten die Archäologen zahlreiche Keramikscherben, Tierknochen, Feuersteinwerkzeuge und Holzkohle. Sie zeugen davon, dass sich dort schon damals größere Menschenmengen versammelten.

Bulford-Anlage

So könnten Sonnenwendfeiern in der Anlage von Bulford vor knapp 5000 Jahren ausgesehen haben. — © Wessex Archaeology

„Unglaublich spannend“

„Diese Entdeckung ist fundamental, denn es ist das früheste Beispiel für ein Bauwerk in dieser Region, das auf die Sonnenwenden ausgerichtet ist“, sagt Matt Leivers von Wessex Archaeology. Für den Bezug zur Sonne spricht auch ein Fund, den die Archäologen in einem der als Marker genutzten Pfostenlöcher machten: In ihm lag ein Feuersteinmesser in Form einer Sonnenscheibe – ein extrem seltenes Artefakt, das wahrscheinlich eine symbolische Funktion hatte, wie das Team erklärt.

„Was zunächst unauffällig schien, hat unser Verständnis der zeremoniellen Landschaft um Stonehenge komplett umgeschrieben. Das ist unglaublich spannend“, sagt Osgood. Im Rahmen ihrer Ausgrabungen stießen die Archäologen zudem auf Indizien dafür, dass Steinzeitanlage von Bulford einige hundert Jahre später zu einem „Woodhenge“ ausgebaut wurde: 48 weitere Pfostenlöcher markieren eine hölzerne Kreisanlage.

Feuersteinscheibe

Diese Feuersteinscheibe wurde in einem der beiden Marker-Pfostenlöcher gefunden. — © Wessex Archaeology

Stonehenge war nicht der Anfang

Der „Prototyp“ von Bulford demonstriert damit, dass Menschen schon vor der Errichtung der Steinkreise von Stonehenge die Sonnenwenden kennzeichneten und feierten. „Bisher beruhte unser Wissen über solche frühen astronomischen Leistungen auf Stonehenge und anderen Monumenten dieser Zeit. Aber die Anlage von Bulford ist 500 Jahre älter“, sagt Grabungsleiter Phil Harding von Wessex Archaeology. Er und seine Kollegen vermuten, dass die Anfänge von Stonehenge ähnlich ausgesehen haben könnten – Holzpfosten und Erdgruben statt Megalithsteinen.

„Stonehenge war nicht der Anfang, sondern entwickelte sich aus Traditionen und Praktiken mit sehr viel weiter zurückreichenden Wurzeln“, erklärt der Paläoastronom Fabio Silva von der Skyscape Academy. Die Entdeckung des „Prototyps“ in Bulford unterstreicht, dass Stonehenge kein Einzelfall war. Dies belegen auch Steinzeitmonumente wie die 2025 entdeckte Kreisgrabenanlage Flagstones an der südenglischen Küste oder das Ganggrab von Newgrange in Irland.

Die Faszination des Menschen für astronomische Phänomene wie die Sommersonnenwende hält bis heute an: Auch am 21. Juni 2026 sammelten sich wieder tausende Menschen in Stonehenge, um den Sonnenaufgang über dem Altarstein zu sehen.

Quelle: Wessex Archaeology

ArchäologieJungsteinzeitPaläoastronomieSonnenwendeSteinzeitanlageStonehenge

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