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Pottwale im Mittelmeer haben Dialekte entwickelt
Erde & Umwelt

Pottwale im Mittelmeer haben Dialekte entwickelt

Mit spezifischen Mustern von Klicklauten kommunizieren Pottwale ihre Zugehörigkeit zu sogenannten Stimmclans. · Foto: © Asociación Tursiops

Pottwale sind für ihre Klicklaut-Kommunikation bekannt. Jetzt belegen Tonaufnahmen: Im Mittelmeer haben sie bereits verschiedene Dialekte entwickelt. Demnach kommunizieren die Wale vor Griechenland anders als ihre Artgenossen im Bereich der Balearen. Die griechischen Pottwale beherrschen aber auch die westlichen Klickmuster. Sie könnten demnach eine lokale Variation entwickelt haben.
Autor
Elena Bernard
26. Juni 2026
Lesezeit
2 Minuten
Rubrik
Erde & Umwelt

Seit etwa 20.000 Jahren kommen Pottwale auch im Mittelmeer vor. Ihre Population ist genetisch von denen der anderen Ozeane isoliert und umfasst nur einige tausend Tiere. Durch Schiffskollisionen und Fischernetze sind sie heute vom Aussterben bedroht. Ebenso wie ihre Artgenossen in anderen Meeren der Welt kommunizieren die Mittelmeer-Pottwale mit kurzen Klicklauten. Diese kombinieren sie zu charakteristischen Mustern, sogenannten Codas, mit denen sie ihre Gruppenzugehörigkeit zum Ausdruck bringen. Bislang gingen Biologen davon aus, dass alle Pottwale im Mittelmeer zur gleichen stimmlich definierten Gruppe gehören.

Klicken in verschiedenen Rhythmen

Doch wie ein Team um Taylor Hersh von der University of Bristol nun herausgefunden hat, gibt es auch innerhalb des Mittelmeeres regionale Unterschiede bei den Codas der Pottwale. Für ihre Studie werteten die Forschenden mehr als 5000 Klickfolgen aus, die zwischen 2003 und 2021 einerseits im westlichen Teil des Mittelmeers rund um die Balearen aufgezeichnet wurden, andererseits im Hellenischen Graben im Bereich der griechischen Inseln.

„In beiden Regionen dominierten Codas aus vier Klicks“, berichten Hersh und ihr Team. Bei den Pottwalen der Balearen machten diese Muster 80,7 Prozent aller aufgezeichneten Codas aus, bei denen im Hellenischen Graben 51,8 Prozent. Doch trotz gleicher Anzahl der Klicks zeigten sich Unterschiede: Während die balearischen Pottwale typischerweise ein 3+1-Muster nutzten, also drei aufeinanderfolgende Klicks, gefolgt von einer kurzen Pause und einem weiteren Klick, variierten die griechischen Pottwale das Motiv, indem sie es deutlich schneller von sich gaben oder weitere Klicks hinzufügten.

Kulturelle Evolution

„Bemerkenswerterweise produzierten im Osten aufgezeichneten Gruppen gelegentlich auch die westlichen langsameren 3+1-Coda-Typen, doch das Umgekehrte traf nicht zu“, berichten die Forschenden. Aus ihrer Sicht deutet das darauf hin, dass sich aus der ursprünglichen westlichen Variante im Osten ein neuer Dialekt gebildet hat. „Diese Erkenntnisse zeichnen ein Bild der Geschichte der im Mittelmeer lebenden Pottwale, das mit einer fortschreitenden Besiedlung von West nach Ost übereinstimmt“, sagt Hersh.

Während die ursprüngliche Ausbreitung der Pottwale vom westlichen bis ins östliche Mittelmeer bereits vor Jahrtausenden stattgefunden hat, unternehmen auch heute noch einzelne Pottwalbullen diese Reise. Allerdings geschieht dies bisherigen Beobachtungen zufolge nur von Westen nach Osten, nicht andersherum.

Auf dem Weg zu neuen Stimmclans

„Diese Erkenntnisse erweitern das Verständnis der Coda-Dialekte bei Pottwalen im Mittelmeerraum und liefern neue Einblicke in die kulturelle Evolution dieser Dialekte“, schreibt das Forschungsteam.
„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Isolation die Entstehung neuer Clans im Mittelmeer begünstigt, was einen seltenen Einblick in den Entstehungsprozess der Pottwal-Dialekte gewährt, der offenbar gerade im Gang ist.“

Obwohl sich die westlichen und östlichen Pottwal-Dialekte im Mittelmeer bereits klar voneinander unterscheiden, ist aber noch unklar, ob die Grenze zu zwei getrennten Stimmclans bereits überschritten ist. Darüberhinaus liefert die Studie aber auch neue Erkenntnisse über die Populationsstruktur und die soziale Dynamik der Mittelmeerwale und kann so einen Beitrag zu ihrem Schutz leisten.

Quelle: Taylor Hersh (University of Bristol, UK) et al., Proceedings of the Royal Society B Biological Sciences, doi: 10.1098/rspb.2026.0165

DialekteKommunikationMittelmeerStimmclansWale
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