Die Demokratische Republik Kongo ist einer der wichtigsten Lieferanten für den begehrten Rohstoff Kobalt. Dieses Metall wird für die Produktion von Lithium-Ionen-Akkus benötigt und daher in großem Stil abgebaut und exportiert. Doch in den kongolesischen Bergbaugebieten kommt das Kobalt nicht isoliert vor: Die dortigen Heterogenit-Erze enthalten bis zu drei Gewichtsprozent Uran.
Kobalt mit radioaktivem Begleiter
„Wenn im Kongo Kobaltminerale abgebaut werden, extrahieren die Bergbaufirmen auch relativ viel Uran - mehr als man in einem durchschnittlichen Gestein finden würde“, erklärt Erstautor Ryan Manzuk von der Princeton University. Das radioaktive Element ist eng an das Kobalt gebunden und bleibt daher auch bei der Extraktion von Kobalthydroxid aus dem Roherz erhalten. Dieses wird als Rohstoff für die Batterieproduktion aus dem Kongo exportiert.

Im Kobalt-Abbaugebiet der Demokratischen Republik Kongo wurde früher auch Uran gefördert. Über geologische Verwerfungen reicherte sich das radioaktive Element auch in Kobaltlagerstätten an. — © Mazuk und Philippe / Nature Communications, CC-by 4.0
Normalerweise werden Förderung, Export und Handel mit Uran international streng überwacht. Staaten müssen ihre Bestände und Exporte von Natururan an die Internationale Atomenergieagentur (IAEA) melden. Doch die Demokratische Republik Kongo hat schon seit Jahren offiziell keine Uranproduktion mehr – und meldet daher auch keine Exporte. „Aber die großen Mengen an extrahierten Kobalterzen kombiniert mit dem gut dokumentierten Urananteil in diesen Mineralen legen nahe, dass hier erhebliche Uranmengen involviert sind“, berichten die Forscher.
Tausende Tonnen Uran wurden unerkannt exportiert
Wie viel Uran mit dem kongolesischen Kobalterz unerkannt und ungemeldet ins Ausland gelangt, haben Manzuk und sein Kollege Sébastien Philippe von der University of Wisconsin-Madison jetzt erstmals näher untersucht. Sie werteten dafür Fördermengen der Kobalterze und Daten zur Geochemie der Rohstoffvorkommen und Erze aus.
Die Analysen ergaben: Seit dem Jahr 2000 könnten mindestens 2000 bis 5000 Tonnen natürlichen Urans mit dem Kobalthydroxid aus dem Kongo exportiert worden sein. Bei einigen uranreicheren Vorkommen und einer effizienteren Extraktion des Urans mit dem Kobalthydroxid könnten es sogar deutlich mehr als 5000 Tonnen Uran sein. Den Berechnungen der Forscher nach wären dann allein im Jahr 2023 fast 3500 Tonnen Uran aus dem Kongo exportiert worden.
Genug Uran für bis zu 1500 Atomwaffen
Diese Uranmengen sind alles andere als Peanuts, wie das Team betont: „Diese Menge ist ausreichend, um spaltbaren Kernbrennstoff für 600 bis 1500 Atomwaffen herzustellen oder einen gängigen Leichtwasser-Kernreaktor zehn bis 25 Jahre zu betreiben“, erklärt Philippe. Weitere 1000 bis 4000 Tonnen Uran könnten mit dem Minenabraum in die Umwelt gelangt sein.
Doch weniger als zehn Prozent dieses Urans wurden offiziell gemeldet, wie das Team ermittelt hat. Tausende Tonnen dieses radioaktiven Materials blieben demnach unerkannt und folglich auch unüberwacht exportiert und weiterverarbeitet. „Weil dieses Uran nicht offiziell als gefördert und extrahiert gemeldet wurde, unterliegt es keinerlei Beschränkungen. Niemand fragt danach, wo dieses Uran landet, weil es nicht in den Büchern steht“, sagt Philippe.

Der Export von Kobalt aus der Demokratischen Republik Kongo ist in den letzten Jahren stark angestiegen – und damit auch die unerkannte Mitlieferung von Uran. — © Mazuk und Philippe / Nature Communications, CC-by 4.0
Was macht China mit diesem Uran?
Die Nachforschungen zeigen, dass ein Großteil des aus dem Kongo exportierten Kobalthydroxids nach China gelangt. Dort liegen 95 Prozent aller Kobaltaufbereitungsanlagen, die das Material für die Batterieproduktion reinigen, auftrennen und weiterverarbeiten. Während dieses Prozesses muss auch das Uran abgetrennt und entfernt werden. Spätestens zu diesem Zeitpunkt müsste die radioaktive Beimischung demnach erkannt werden.
Doch was in China mit diesem Uran geschieht, ist unbekannt. „Klar ist nur, dass dieses Uran weder von China noch von der Demokratischen Republik Kongo offiziell gemeldet wurde“, berichtet Philippe. „Unsere Untersuchungen deuten allerdings nicht darauf hin, dass dieses Material absichtlich geschmuggelt wurde.“ Zumindest auf Seiten der kongolesischen Minenbetreiber gehen die Forschenden nicht von kriminellen Absichten aus, auch weil eine Uranbeimischung erst ab einer bestimmten Konzentration an die IAEA gemeldet werden muss.
Auf Seiten Chinas erscheint es jedoch eher unwahrscheinlich, dass dieses radioaktive Material unbemerkt geblieben ist und ungenutzt entsorgt wurde.
„Substanzielle Lücke in der internationalen Atomüberwachung“
„Zusammengenommen decken unsere Funde eine substanzielle Lücke in der internationalen Atomüberwachung auf“, schreiben Manzuk und Philippe. Diese betrifft eine für die Weltwirtschaft und den Energiesektor entscheidende Lieferkette – das Kobalt für die Batterieproduktion. Mit ihm gelangt Uran unkontrolliert aus Afrika nach China und in andere Empfängerländer, ohne dass bekannt ist, was dort damit geschieht. Hier müsse dringend nachgebessert werden, um dieses Sicherheitsrisiko zu beheben, so die Forscher.
„Basierend auf unseren Erkenntnissen halte ich es für dringend nötig, ein umfassendes nationales Bergbau-Audit in der Demokratischen Republik Kongo durchzuführen“, sagt Philippe. „Wir benötigen zudem neue Regeln für die Abtrennung von Uran aus der Kobalt-Lieferkette.“ Langfristig lasse sich der verdeckte Export von Uran mit Kobalterzen aber wahrscheinlich nur stoppen, wenn die Kobaltminerale innerhalb des Förderlands zu metallischem Kobalt weiterverarbeitet werden.
Quelle: Ryan Manzuk (Princeton University), Sébastien Philippe (University of Wisconsin-Madison), Nature Communications, 2026; doi: 10.1038/s41467-026-75910-z





