Feuer war für die Menschen der Steinzeit ein wertvolles Hilfsmittel: Sie nutzen es als Lichtquelle, um ihre Nahrung zuzubereiten, als Schutz gegen wilde Tiere und wahrscheinlich auch zu rituellen Zwecken. “Feuerstellen sind daher eine der häufigsten Merkmale archäologischer Fundstätten”, berichten Marian Berihuete-Azorin von der Universität Hohenheim und ihre Kollegen. “Aber meist wird der Frage wenig Beachtung geschenkt, wie diese Feuer angezündet wurden.” Denn wenn beispielsweise durch Zusammenschlagen von Feuersteinen Funken erzeugt werden, kann man damit nicht direkt Holz zum Brennen bringen – man benötigt zuerst ein Material, das sich leichter entzündet und Glut bildet. Eines der beliebtesten Materialien dafür waren verschiedene Arten getrockneter Holzpilze, die sogenannten Zunderschwämme. “Ihre Nutzung zum Transport oder Entfachen von Glut ist für viele frühe Menschengruppen dokumentiert”, so die Forscher. Auch der berühmte Gletschermann “Ötzi” trug vor rund 5000 Jahren einen solchen Zunderschwamm bei sich.
Zunderschwämme aus der Jungsteinzeit
Einen der frühesten Belege für die Nutzung solcher Zunderschwämme haben Berihuete-Azorín und ihre Kollegen nun im Nordosten Spaniens entdeckt. Die Fundstätte La Draga, 50 Kilometer südlich der Pyrenäen am Ufer des Sees von Banyoles gelegen, ist eine der reichhaltigsten Quellen für Funde aus dem frühen Neolithikum – der Zeit vor rund 7300 Jahren, in der die ersten sesshaften Bauern diese Gegend besiedelten. Im Rahmen der Ausgrabungen haben Archäologen dort insgesamt 86 verschiedene Stücke getrockneter Pilze gefunden. “Allein die Tatsache, dass wir so viele Pilzrelikte bergen konnten, ist außergewöhnlich”, sagt Co-Autor Antoni Palomo vom Archäologiemuseum Kataloniens in Barcelona. “Denn weil sie sich leicht zersetzen, bleiben sie nur selten in archäologischen Fundstätten erhalten.” Um welche Pilze es sich handelte und wofür die Bewohner dieser jungsteinzeitlichen Siedlung diese Pilze einst sammelten, haben die Wissenschaftler nun untersucht.
Wie die Forscher feststellten, gehören die Pilzreste zu sechs verschiedenen Arten von holzbesiedelnden Pilzen: Skeletocutis nivea, Coriolopsis gallica, Daedalea quercina, Daldinia concentrica, Ganoderma adspersum and Lenzites warnieri. Keine dieser Arten ist essbar, dafür aber sind einige dieser Spezies als besonders geeignete Zunderschwämme bekannt, darunter auch die häufigste in La Draga gefundenen Pilzart. “Ganoderma adspersum hat hervorragende Zunder-Eigenschaften und fängt sehr leicht Feuer”, berichten die Wissenschaftler. Eine weitere Art, Daldinia concentrica, war dagegen besonders gut für den Transport von Glut geeignet. “Diese Pilzart entzündet sich leicht, brennt aber nicht mit offener Flamme – das macht sie besonders nützlich, wenn man Glut von einem Ort zum anderen bringen will”, so die Forscher.





