Der Tag-und-Nacht-Forscher
Ausgerechnet Jürgen Zulley, einer der Pioniere der Schlafforschung, untersucht neuerdings, was uns wach und fit hält. Vor fast 30 Jahren hatte er als Erster erkannt, dass die „ Innere Uhr” das Ruhebedürfnis des Körpers regelt. Ihr Antrieb sind biologische Rhythmen, gesteuert durch das Tageslicht und die Ausschüttung von Hormonen. Bis zu Zulleys Erkenntnissen war man davon ausgegangen, dass es die Nacht selbst ist, die uns in den Schlaf treibt. Jetzt hat ihn die Erforschung des Schlaf-Wach-Rhythmus ins helle Tageslicht geführt. Der Westfale versucht zu erkunden, wodurch Aufmerksamkeit und Leistungsfähigkeit gesteuert werden. Überraschenderweise hat er unter anderem herausgefunden, dass ausgeschlafene Menschen langsamer reagieren als solche, die nur wenig geschlafen haben. „ Wer an Schlafmangel leidet”, erklärt Zulley, „ist innerlich angespannter und hat deshalb kürzere Reaktionszeiten.”
Der Lebenslauf von Zulley klingt alles andere als verschlafen: Zunächst hatte der gelernte Elektrotechniker als Ingenieur bei Siemens in München gearbeitet. Doch bereits nach anderthalb Jahren kehrte er der Technik den Rücken und studierte Psychologie. Nebenbei jobbte er am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München und hielt Sitzwache bei Versuchspersonen, deren Schlaf dokumentiert wurde. Jetzt leitet der 59-Jährige das Schlafmedizinische Zentrum in Regensburg, ist Vorstandsmitglied der European Sleep Research Society und Präsident der Deutschen Akademie für Gesundheit und Schlaf. In seinen „Schlafschulen” , die 2002 mit dem Bayerischen Innovationspreis ausgezeichnet wurden, versucht er außerdem in Seminaren Menschen zu helfen, die nachts keine Ruhe finden.





