von JÜRGEN BRATER
Drei von vier Deutschen glauben, sich unzureichend zu ernähren. Und weil sie Angst haben, deswegen krank zu werden, schlucken sie sogenannte Nahrungsergänzungsmittel. So die Zahlen einer umfangreichen Untersuchung zur gesunden Lebensführung aus dem Jahr 2022 für den Statista Global Consumer Survey. Laut Statistischem Bundesamt (Destatis) wurden 2021 in Deutschland rund 202.000 Tonnen dieser Produkte produziert, Tendenz steigend. Und wie der Verbrauchermonitor 2021 des Bundesinstituts für Risikobewertung zeigt, gehen irrtümlicherweise viele Menschen davon aus, Vitamine als Nahrungsergänzungsmittel dürften nur mit Zulassung – und entsprechender Prüfung auf Wirksamkeit und Sicherheit – auf dem deutschen Markt verkauft werden.
Aber was genau bezeichnet eigentlich der Begriff „Nahrungsergänzungsmittel“? Hierbei sind zwei Formen zu unterscheiden: Erstens werden sie wie zum Beispiel im Fall der Vitamine A oder C als Einzelpräparate angeboten. Zweitens gibt es Nahrungsergänzungsmittel, die durch eine Mischung mehrerer Substanzen hergestellt und unter einem Produktnamen vertrieben werden. Für beide Gruppen gilt laut Nahrungsergänzungsmittel-Verordnung (NemV), dass sie zu den Lebensmitteln gehören und in Kapseln, Pastillen, Pulverbeutelchen oder Flüssigampullen angeboten werden müssen, die ihre Einnahme in kleinen Mengen erlauben. Im Gegensatz zu Arzneimitteln dürfen sie keine pharmakologische Wirkung versprechen, sie dürfen also nicht damit werben, vor Krankheiten zu schützen, diese zu lindern oder gar zu heilen.
Die Verantwortung dafür, dass sie weder der Gesundheit schaden noch den Konsumenten durch Aufmachung oder Werbung täuschen, liegt allein beim Hersteller und deren Verkäufern, die die Präparate in Verkehr bringen. Anders als bei Arzneimitteln müssen bei der Zulassung weder die Wirkung noch die Unbedenklichkeit nachgewiesen werden.
Bevor zuerst die am häufigsten verkauften und konsumierten Substanzen der ersten Gruppe vorgestellt werden, eine allgemeine Anmerkung: Die nachfolgenden Aussagen beziehen sich auf gesunde Personen, die sich zumindest einigermaßen ausgewogen ernähren, also nicht auf Menschen mit extremen Ess- und Trinkgewohnheiten wie Veganer und auch nicht auf Personen mit chronischen Darmleiden. Für sie gelten, ebenso wie für Schwangere und Stillende, unter Umständen andere Empfehlungen. So sollten etwa Veganer Vitamin-B12– und Schwangere Folsäure-Präparate einnehmen. Auf diese Besonderheiten kann in diesem Beitrag nicht näher eingegangen werden.





