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Orcas lassen Mondfische zerplatzen – zum Spaß?
Erde & Umwelt

Orcas lassen Mondfische zerplatzen – zum Spaß?

Diese Orcas rammen einen toten Mondfisch, bis er platzt – aber warum? · Foto: © Kathryn Ayres

Orcas sind in jüngster Zeit in Verruf geraten, weil sie immer wieder Schiffe rammen. Jetzt enthüllen Videoaufnahmen: Die Wale rammen offenbar auch Beutetiere. Im Golf von Kalifornien schwammen Orcas gezielt so heftig gegen einen zuvor getöteten Mondfisch, dass er in unzählige Stücke zerplatzte. Das Verhalten könnte womöglich dazu dienen, die riesige Beute für Jungtiere zu zerlegen – oder einfach zur Unterhaltung der Meeresräuber.
Autor
Elena Bernard
23. Juli 2026
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Erde & Umwelt

Seit 2020 kommt es rings um Spanien und Portugal immer wieder zu Zusammenstößen von Orcas und Segelbooten. Offenbar rammen die großen Meeressäuger die Boote gezielt und beschädigen sie dabei teils so stark, dass sie sinken. Fachleute gehen davon aus, dass es sich dabei seitens der Orcas nicht um ein aggressives Verhalten handelt, sondern schlicht um ein Spiel. Das Versenken kleiner Schiffe könnte für die iberischen Orcas ein gemeinschaftlicher Zeitvertreib sein, der innerhalb der Population kulturell weitergegeben wird.

Festhalten und Rammen

Bei den Orcas vor der amerikanischen Küste sind solche Verhaltensweisen bislang nicht verbreitet. Doch auch sie scheinen offenbar Spaß am Rammen zu haben: Zwei Videos, die 2024 und 2025 bei touristischen Walbeobachtungsfahrten aufgenommen wurden, zeigen, dass die Orcas im Golf von Kalifornien mit ihrer Beute teils ähnlich verfahren wie ihre europäischen Artgenossen mit Segelbooten: „Wir dokumentieren, wie ein Orca einen Spitzschwanz-Mondfisch an der Schwanzflosse festhält und ihn loslässt, kurz bevor ein anderer Orca mit hoher Geschwindigkeit auf ihn prallt, wodurch das Gewebe in Tausende von Stücken zerfällt“, berichtet Kathryn Ayres von der Organisation „Beneath The Waves“ in Boston.

Mondfische zählen mit einem Gewicht von bis zu 2000 Kilogramm zu den schwersten Fischen der Welt und sind im Golf von Kalifornien eine häufige Beute von Orcas. In den auf Video festgehaltenen Fällen hatten die Wale die Mondfische bereits getötet, bevor sie sie zerplatzen ließen. Deshalb gehen Ayres und ihr Team davon aus, dass das beobachtete Rammen keine Jagdstrategie ist, sondern eher eine Technik zur Verarbeitung der Beute. „Möglicherweise könnte es sich um eine Form der elterlichen Fürsorge handeln“, mutmaßen die Forschenden. Tatsächlich war in beiden Fällen ein Jungtier zugegen, dass die bei dem Manöver entstandenen kleinen Fragmente der Beute anschließend verzehrte.

Spielerisches Verhalten?

Auch die erwachsenen Mitglieder der Gruppe könnten profitieren: Spitzschwanz-Mondfische sind von einer dicken, gelatineartigen Schicht umgeben, die von zahlreichen Mikroorganismen besiedelt ist. Beim Zerplatzen des Mondfischs verteilt sich dieses Mikrobiom im Wasser. Die gewaltsame Zerkleinerung des riesigen Fischs sorgt somit für eine veränderte Nährstoffzusammensetzung, erleichtert den Kontakt mit dem Mikrobiom der Beute und könnte dadurch das Immunsystem der Orcas stärken.

Unabhängig von möglichen direkten Vorteilen für Ernährung und Gesundheit könnte es allerdings laut Ayres und ihrem Team auch sein, dass es den Orcas einfach Spaß macht, die Mondfische platzen zu lassen – ähnlich wie den iberischen Orcas das Schiffeversenken. „Das Verhalten könnte auch der sozialen Interaktion und dem Spiel dienen“, schreiben sie. „Orcas sind dafür bekannt, dass sie mit ihrer Beute spielen und auch Tiere angreifen und töten, die sie nicht anschließend verzehren.“

Ob an beiden beobachteten Vorfällen die gleichen Orcas beteiligt waren oder ob es sich um ein in der gesamten Population verbreitetes Verhalten handelt, ist unklar, da sich die Tiere auf den Videoaufnahmen nicht eindeutig identifizieren lassen. Doch auch wenn Aufnahmen, die bei touristischen Walbeobachtungen entstehen, nicht immer allen wissenschaftlichen Anforderungen genügen, sehen Ayres und ihr Team darin eine wichtige Quelle: „Eine Zusammenarbeit mit Anbietern solcher Fahrten kann dabei helfen, außergewöhnliche Verhaltensweisen von Orcas aufzuzeichnen, die andernfalls undokumentiert blieben“, schreibt das Forschungsteam.

Quelle: Kathryn Ayres (Beneath The Waves, Boston, USA) et al., Frontiers in Ethology, doi: 10.3389/fetho.2026.1835536

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