Die Motivation zur tatkräftigen Mitarbeit im Unternehmen steht in keinem Zusammenhang mit dem Lebensalter. Das hat eine Forscherin der Universität Bayreuth bei der Befragung von 1.250 Arbeitnehmern in sechs großen deutschen Unternehmen herausgefunden. Voraussetzung für die hohe Leistungsbereitschaft ist, dass sich ältere Arbeitnehmer nicht diskriminiert fühlen dürfen: Negative Bemerkungen über nachlassende Fähigkeiten im Alter drücken das Selbstwertgefühl, verunsichern und demotivieren die Betroffenen.
Im Rahmen der Studie sind 1.250 Personen aus deutschen Unternehmen befragt worden, die zu sechs Branchen gehören: Automobilzuliefer- und Elektroindustrie, Versicherungswirtschaft, IT-Services, Handel und Abfallwirtschaft. Die Hälfte der Arbeitnehmer gehörte zur Altersgruppe der 50- bis 64-Jährigen, während die andere Hälfte nur 30 bis 40 Jahre alt war. In das erarbeitete Strukturmodell flossen Aspekte ein wie Unterstützung durch das Unternehmen oder Leistungsmotive wie Erfolg und Furcht vor Misserfolg. Außerdem wurden Lebensalter und persönliche Erfahrungen mit Altersdiskriminierung berücksichtigt.
Die Wissenschaftlerin Tanja Rabl vom Lehrstuhl für Personalwesen und Führungslehre der Universität Bayreuth konnte belegen, dass Alter an sich keine Ursache für erlahmenden Erfolg und nachlassenden Willen bei der Arbeit ist. Langjährige Mitarbeit im Unternehmen wirkt sich durchaus positiv aus, weil ältere Mitarbeiter oft ein realistischeres Bild vom Unternehmen haben und seltener von Vorgängen enttäuscht werden. Zudem haben sie das Potenzial einer hohen Arbeitszufriedenheit, die im Endeffekt auch die Leistungsmotivation stärkt.
Die Studie weist aber auch einen Zusammenhang zwischen Altersdiskriminierung und sinkender Leistung nach: Wenn ältere Arbeitnehmer im Firmenalltag den Eindruck bekommen, dass sie wegen ihres Alters benachteiligt oder geringgeschätzt werden, setzt sich eine Abwärtsspirale in Gang. Sie halten Fehlschläge eigener Initiativen für wahrscheinlicher, werden zurückhaltender und vorsichtiger. Dadurch sinkt das Ansehen bei den Kollegen und die Leistungsmotivation der älteren Mitarbeiter wird tatsächlich schwächer.
Wegen der demografischen Entwicklung und des Fachkräftemangels müssen Unternehmen in Zukunft mehr ältere Arbeitnehmer beschäftigen. Entsprechend plädiert Rabl für eine frühzeitige, offensive Vorgehensweise gegen Altersdiskriminierung: “Je seltener ältere Mitarbeiter mit dem Vorurteil konfrontiert werden, dass sie weniger leisten können und weniger leisten wollen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich mit unverminderter Leistungsorientierung für ihr Unternehmen einsetzen.”
Tanja Rabl (Universität Bayreuth): Personnel Review, Bd. 39, Nr. 4, S. 448, Bd. 39, Nr. 4, S. 448, doi: 10.1108/00483481011045416 ddp/wissenschaft.de ? Theresa Klüber





