von BETTINA WURCHE
Der Ausbruch eines Vulkans mit seinen Glutwellen und Lavaströmen verbrennt mit einem Schlag alles Grün, vom Grashalm bis zum Baum. Nicht rechtzeitig geflohene Tiere ersticken in toxischen Gasen oder zerfallen zu Asche. Schließlich hinterlässt das vulkanische Inferno eine öde Mondlandschaft.
Aber das Leben kehrt schnell zurück: So tauchten 2015 auf einer kleinen Insel, die durch den Ausbruch des Hunga Tonga-Hunga Ha‘apai im Pazifik entstanden war, innerhalb kurzer Zeit Schwefel-Bakterien auf, deren nächste Verwandte an geothermalen Tiefseequellen vorkommen. Zum Bedauern der Forscher, die ihre Studie im Januar 2023 publizierten, versank das Eiland schon im Jahr zuvor wieder im Meer.
Die prominentesten Vulkan-Profiteure und -Opfer waren die Dinosaurier: Als vor rund 250 Millionen Jahren ausgedehnter Vulkanismus Verdunkelung, Abkühlung und sauren Regen verursachte, veränderte dies innerhalb weniger Hunderttausend Jahre die Ökosysteme. So wurden in einem der größten Massensterben der Erdgeschichte 80 bis 90 Prozent aller Tiergruppen ausgelöscht und ermöglichten den Aufstieg der Dinosaurier. Bis vor etwa 65 Millionen Jahren erneut großflächiger Vulkanismus gemeinsam mit einem Meteoriteneinschlag zum endgültigen Niedergang der mesozoischen Echsen führte.
Labore der Evolution
Inselgruppen wie Hawaii oder die Kanaren sind die Krater hoher Vulkane mitten im Ozean. Solche neu entstandenen und isolierten Inseln sind für Wissenschaftler Labore der Evolution: Auf den steilen Inseln bilden sich in den verschiedenen Höhenlagen auf engem Raum Ökosysteme mit unterschiedlicher Temperatur, Feuchtigkeit und Sonneneinstrahlung. Kleine oder fliegende Tiere werden vom Wind auf die neuen Eilande geweht, während größere Arten wie Reptilien oder Säuger auf Flößen aus abgerissenen Ästen anlanden. So siedeln sich wenige Individuen einer Art schrittweise in den neuen Lebensräumen an. In den kleinen Beständen setzen sich vorteilhafte Anpassungen schnell durch. Die von Charles Darwin beschriebenen Galapagos-Finken sind das bekannteste Beispiel für diese sogenannte adaptive Radiation, die ein Meilenstein für die Evolutionstheorie war.
Ähnliche evolutionäre Mechanismen sind auf Hawaii zu beobachten: zum Beispiel bei den Kleidervögeln, die zur Finkenfamilie gehören. Ein Forscherteam um die Molekular-Evolutionsbiologin Heather Learner am Joseph Moore Museum im US-amerikanischen Richmond hat 2015 auf der Basis von DNA-Analysen deren Vorfahren identifiziert und ihre schnelle Evolution mit der geologischen Bildung der vier Hauptinseln Hawaiis erklärt. Offenbar passten sich diese auf Hawaii gestrandeten asiatischen Finkenvögel an die verschiedenen Inseln und Lebensräume sehr erfolgreich und schnell an. Aufgrund ihrer Vorliebe für Blüten und Nektar des jeweiligen Lebensraums entwickelten viele die für die jeweiligen Blüten geeignetsten Schnabelformen. Wegen ihrer Nektarnascherei heißen die bunten kleinen Vögel im Englischen „Honeycreeper“. Evolutiv waren sie damit so erfolgreich, dass innerhalb von vermutlich 250.000 Jahren viele Arten entstanden, 56 hat Heather Lerner nachgewiesen. Aber die menschliche Besiedlung beendete das Finken-Paradies: Ihre leuchtend roten und gelben Federn schmückten fortan die Kleidung hawaiianischer Adliger – daher ihr deutscher Name „Kleidervögel“. Die mitgebrachten Ratten, Katzen sowie Krankheiten dezimierten die Vogelschar weiter. Viele Arten wurden ausgerottet, von den heute noch existierenden 18 sind 11 vom Aussterben bedroht.





