Früh erkannt, Gefahr gebannt – durch Vorsorgeuntersuchungen lässt sich die Entwicklung von Darmkrebs im Vergleich zu vielen anderen Tumorerkrankungen recht gut verhindern: Bei einer Darmspiegelung können die Tumoren und ihre Vorstufen frühzeitig identifiziert und manchmal sofort entfernt werden. Ab einem Alter von 50 Jahren bei Männern und 55 Jahren bei Frauen übernehmen auch die Krankenkassen die Kosten der Vorsorge-Darmspiegelung. Doch viele Menschen scheuen sich vor der unangenehmen Prozedur und hoffen auf ihr Glück, nicht betroffen zu sein. Doch leider führt das riskante Vermeidungsverhalten häufig in Lebensgefahr: „Noch immer trifft die Diagnose Darmkrebs jedes Jahr fast 60.000 Menschen in Deutschland“, sagt Hermann Brenner vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg (DKFZ).
Ihm zufolge könnten gezieltere Warnungen hilfreich sein, um die Vorsorgebereitschaft zu erhöhen: „Wenn wir die Möglichkeit hätten, das persönliche Erkrankungsrisiko besser aufzuzeigen, könnte die Darmkrebs-Prävention vielleicht viel effektiver werden“, so Brenner. Ansätze dazu gab es bereits: Es sind bestimmte genetische Faktoren und Lebensweisen von Menschen bekannt, die mit einem erhöhten Darmkrebsrisiko verbunden sind. Deren Nutzung im Rahmen eines Risikoprofils zur Vorhersage ist aber begrenzt. Deshalb suchten Brenner und seine Kollegen nach alternativen Möglichkeiten, um das individuelle Darmkrebsrisiko von Personen zu bestimmen. So geriet die Möglichkeit des Nachweises über Mikro-RNAs ins Visier der Wissenschaftler.
Nukleotid-Winzlinge als Biomarker
Es handelt sich dabei um Nukleotid-Moleküle, die aus nur 20 bis 25 Bausteinen bestehen. Seit den 1990er Jahren ist bekannt, dass diese Mikro-RNAs (miRNAs) eine wichtige Rolle im Körper spielen. Anders als ihre Verwandten, die RNAs, dienen sie nicht direkt der Herstellung von Proteinen. Sie spielen aber eine zentrale Rolle im komplexen Geschehen der Genregulation im Körper. Studien haben bereits gezeigt, dass sich bestimmte Erkrankungen in einem ungewöhnlichen Muster von Mikro-RNAs im Blut widerspiegeln. Vor diesem Hintergrund sind Brenner und seine Kollegen nun der Frage nachgegangen, inwieweit bestimmte miRNA-Expressionsmuster mit dem Auftreten von Darmkrebs in Verbindung stehen und somit eine Vorhersage des Erkrankungsrisikos ermöglichen könnten.
Die Wissenschaftler nahmen dazu 41 miRNA-Kandidaten ins Visier, die aufgrund von zuvor gewonnenen Hinweisen vielversprechend schienen. Ihr Vorkommen untersuchten sie in gelagertem Blutserum von Teilnehmern der sogenannten ESTHER-Studie. Dabei handelt es sich um eine umfangreiche Längsschnittstudie zur Krebsforschung, die seit dem Jahr 2000 durchgeführt wird. Wie das Team berichtet, waren insgesamt 198 der fast 10.000 ESTHER-Teilnehmer innerhalb von 14 Jahren nach der Blutentnahme an Darmkrebs erkrankt. So konnten die Forscher untersuchen, welche der 41 miRNA-Kandidaten ein auffälliges Vorkommen bei den Betroffenen gezeigt hatten.





