Bereits bei Kleinkindern im Alter von neun bis elf Monaten kann mit einem Blitzlichtkegel die Brechkraft der Augen zuverlässig gemessen werden. Dies belegt eine neue europäische Studie. Daran beteiligt war die deutsche Forscherin Ruxandra Sireteanu vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt/Main. Sie fordert nun, daß Brechkraftfehler in Deutschland schon bei Kleinkindern flächendeckend erfaßt werden, wie es in Frankreich und Großbritannien bereits üblich ist. Sehstörungen bei Kleinkindern können die Sehkraft auf dem schlechten Auge zerstören, weil das Gehirn die minderwertigen Seheindrücke nicht mehr verarbeitet. Die Patienten verlieren jegliche räumliche Wahrnehmung. „Dies kann nur innerhalb der ersten sechs bis acht Lebensjahre rückgängig gemacht werden”, sagt Sireteanu. Die gängige Therapie: Stundenweise wird das gesunde Auge mit einer Sehklappe zugedeckt. Die Hirnforscherin betont: „Bei Brechkraft-Fehlern gilt wie bei Schielen oder Linsentrübungen: Je früher die Therapie eingeleitet wird, desto schneller gleichen sich die Augen funktionell an.” Schielen und Linsentrübungen werden schon heute früh erfaßt und behandelt.
Ulrich Fricke





