Die frühesten Menschenaffen, die sogenannten Stamm-Hominoiden, entstanden vor mehr als 25 Millionen Jahren in Afro-Arabien und breiteten sich vor etwa 14 bis 16 Millionen Jahren nach Eurasien aus, also im Zeitalter des Miozän, das vor rund 23 Millionen Jahren begann. Doch wann und wo die letzten gemeinsamen Vorfahren aller heute lebenden Menschenaffen inklusive des Menschen lebten, ist noch unklar. „Die Fossilienfunde aus dem frühen Miozän, die die Evolution der Hominoiden dokumentieren, beschränkten sich lange Zeit vor allem auf Fundstätten in Ostafrika“, berichtet ein Team um Shorouq Al-Ashqar von der Mansoura Universität in Ägypten. Doch nach dem entscheidenden Bindeglied suchten Paläontologen dort vergeblich.

Urtümlicher Menschenaffe in Ägypten
Nun haben Al-Ashqar und sein Team im Norden Ägyptens einen fossilen Unterkiefer gefunden, der aus der fraglichen Zeit vor 17 bis 18 Millionen Jahren stammt und eindeutig zu einem frühen Menschenaffen gehörte. Zuvor waren in dieser Region zwar Fossilien von Affen, aber nicht von Menschenaffen gefunden worden. Die Forschenden gaben der neu entdeckten Art den Namen Masripithecus moghraensis. Masri ist das arabische Wort für Ägypten, das griechische Wort píthēkos bedeutet Menschenaffe und moghraensis bezieht sich auf die Fundstätte im nordägyptischen Wadi Moghra.
Die Analysen des Forschungsteams zeigen, dass sich Masripithecus deutlich von ostafrikanischen Arten der gleichen Zeit unterschied. Indem sie anatomische Vergleiche, DNA-Analysen heutiger Menschenaffen und Informationen zum geologischen Alter kombinierten, kamen Al-Ashqar und seine Kollege zudem zu dem Ergebnis, dass die neu entdeckte nordafrikanische Art näher mit den heute lebenden Menschenaffen verwandt ist als alle aus Ostafrika bekannten Arten aus dem frühen Miozän. Der Fund erweitert damit nicht nur das bekannte geografische Verbreitungsgebiet der frühen Menschenaffen, sondern rückt auch Ägypten und die gesamte Region des Nahen Ostens in den Mittelpunkt eines entscheidenden evolutionären Übergangs, der zu den Hominiden führte. „Wenn wir uns den Stammbaum der frühen Menschenaffen genau ansehen, wird deutlich, dass etwas fehlt – und Nordafrika birgt dieses fehlende Puzzleteil“, sagt Al-Ashqars Kollege Hesham Sallam.






