Veranlagungssache! Viele Eigenschaften eines Menschen sind von Geburt an vorprogrammiert – sie basieren auf bestimmten genetischen Faktoren, die vererbt werden. Dabei gibt es Merkmale, die auf einzelnen oder nur wenigen Besonderheiten im Erbgut beruhen. Andere werden hingegen von einem Sammelsurium an unterschiedlichen genetischen Variationen geprägt. Bei der menschlichen Körpergröße ist dies besonders ausgeprägt der Fall, wie frühere Studien gezeigt haben. Dabei wurden bereits viele genetische Varianten identifiziert, die mit den Unterschieden der Körpergröße von Menschen verknüpft sind. Doch es zeichnete sich ab, dass das tatsächliche Ausmaß möglicher genetischer Einflussfaktoren noch weit größer ist.
Enormer Studienumfang
Nun präsentiert ein internationales Forscherteam die bisher umfangreichste Studie zu dem Thema. Während die bisher größte genomweite Körpergrößen-Assoziationsstudie auf einer Stichprobengröße von rund 700.000 Personen basierte, umfasst die aktuelle Untersuchung nun Erbgutanalysen von mehr als fünf Millionen Menschen. Es handelte sich dabei zu 76 Prozent um Personen mit überwiegend europäischer Abstammung, etwa eine Million besaß hingegen einen afrikanischen, ostasiatischen, hispanischen oder südasiatischen Abstammungshintergrund. Von allen Studienteilnehmern waren neben den genetischen Informationen die Körpergrößen bekannt. Damit war eine sogenannte Genotypisierung möglich, auf der Assoziationsstudien basieren: Die Wissenschaftler konnten durch statistische Verfahren die Verbindung von genetischen Besonderheiten mit den unterschiedlichen Körpergrößen aufzeigen.
Auf diese Weise identifizierten sie nun 12.111 Genvarianten, die mit der Körpergröße verbunden sind. Als sie deren Positionen im Erbgut untersuchten, stellten sie fest, dass sie besonders häufig in der Nähe von genetischen Bereichen angesiedelt sind, von denen bereits bekannt ist, dass sie mit Wachstumsstörungen in Zusammenhang stehen. Die Wissenschaftler nehmen an, dass die entdeckten Variationen nun einen großen Teil aller mit der Körpergröße assoziierten Varianten ausmachen, insbesondere in den Populationen mit europäischer Abstammung. Konkret erklären sie bei ihnen wohl etwa 40 Prozent der Unterschiede in den Körpergrößen. Bei den Menschen mit nicht-europäischem Hintergrund gibt es hingegen aufgrund des geringeren Datenumfangs wohl noch vergleichsweise viele unentdeckte Variationen, sagen die Forscher.
Dass die Studie mehr als eine Million Menschen nicht-europäischer Abstammung umfasste, war bereits mehr als sonst bei genetischen Studien üblich – dennoch besteht bei diesem Aspekt Verbesserungsbedarf, sagen die Wissenschaftler. “Dies ist zwar ein Erfolg, aber die Daten sind immer noch zu sehr auf Menschen europäischer Abstammung ausgerichtet, ein bekanntes Problem bei genetischen Studien”, sagt Erst-Autor Loic Yengo von der University of Queensland in Brisbane.





