Doch den Untersuchungen der Forscher zufolge müssen die Neandertaler sehr wohl ein Verfahren entwickelt haben, um die Tauben zu erhaschen. Denn den Funden zufolge handelte es sich um eine typische Mahlzeit in der Steinzeithöhle. Die Taubenknochen stammen aus Sedimentschichten, welche die Zeitspanne von vor 28.000 bis 67.000 Jahren umfassen. Der moderne Mensch kam erst vor etwa 40.000 Jahren in der Region an. Demzufolge müssen zumindest ältere Essensreste von Neandertalern stammen, sagen die Forscher. Es sei außerdem nicht davon auszugehen, dass sie die Jagdtechniken von den modernen Einwanderern übernommen hatten.
Dumme Grobmotoriker fangen keine Vögel
Detaillierte Untersuchungen der Forscher ergaben: In 158 Fällen zeigten die Knochen Spuren von Hitzeeinwirkung, bei 28 konnte man Schnittspuren erkennen und 15 Knochen zeigten Nagespuren von menschlichen Zähnen. Die Menge der Funde macht unwahrscheinlich, dass es sich bei den verspeisten Tauben nur um Tiere gehandelt hat, welche die Neandertaler gelegentlich tot auffanden. Vermutlich haben sie die Vögel stattdessen über Jahrtausende hinweg gezielt gefangen und dann gebraten, sagen die Forscher. Wie sie die flinke Beute erwischten, bleibt allerdings unklar. Doch ohne Zweifel können sich die Neandertaler dabei nicht plump angestellt haben. Möglicherweise kletterten sie zu den Nistplätzen der Tauben oder fingen sie mit Netzen aus Gras, spekulieren die Forscher.
Bei dem Ergebnis handelt es sich nun um einen weiteren Mosaikstein, der sich in das neue Bild des Neandertales einfügt. Die Forschung der letzten Jahrzehnte hat nämlich immer deutlicher gezeigt: Die Neandertaler waren eine hochentwickelte Menschenform, die dem Homo sapiens vermutlich durchaus ebenbürtig war. Warum unsere Vorfahren sie schließlich vor rund 40.000 Jahren verdrängen konnten, ist weiterhin eine offene Frage. Dass sie bei der Nahrungsbeschaffung etwas weniger erfolgreich waren, bleibt zwar ein möglicher Grund, doch simple Antworten scheint es auch in diesem Zusammenhang nicht zu geben, belegt die aktuelle Studie. Die Neandertaler waren demnach zumindest nicht völlig auf das Glück bei der Großwildjagd angewiesen.





