Im gemeinsamen Religionsunterricht sollen protestantische und katholische Grundschüler Unterschiede und Gemeinsamkeiten ihrer Religion kennen lernen. Dies war das Ziel des religionspädagogischen Projekts, das Albert Biesinger von der katholisch-theologischen Fakultät Tübingen und sein Kollege Friedrich Schweitzer von der evangelisch-theologischen Fakultät wissenschaftlich begleiteten.
Die Professoren wählten für ihren Unterrichtsversuch Grundschulen aus, an denen sowohl die Religionslehrer als auch die Eltern und Schüler Interesse an einem gemeinsamen Religionsunterricht zeigten. Es wurden drei verschiedene Kooperationsformen getestet. Einmal unterrichtete ein Lehrer der jeweils anderen Konfession die Schüler getrennt nach Katholiken und Protestanten. Dann verblieben die Schüler im Klassenverband und die Lehrer wechselten.
Am geeignetsten befanden die Tübinger Professoren jedoch die dritte Variante, das Teamteaching. Dazu unterrichteten der evangelische und katholische Religionslehrer die Schüler gemeinsam.
Um den Schülern sowohl Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede beider Konfessionen näher zu bringen, hatten die Lehrer die Vorgabe, in jedem Halbjahr jeweils ein Thema durchzunehmen, das bei beiden eine Rolle spielt, wie zum Beispiel die Taufe und zum anderen eines, das bei beiden verschieden ist, wie zum Beispiel Erstkommunion und Konfirmation. Auch besuchten die Klassen gemeinsam sowohl katholische wie auch evangelische Kirchen, um diese direkt vergleichen zu könne.
“Als Ergebnis zeigte sich nach dem Projekt, dass die Schüler nicht etwa beide Glaubensrichtungen vermischten, oder zum anderen Glauben übertreten wollten, sondern dass sie vielmehr sicherer waren, wohin sie gehörten”, so Schweitzer. Es gab auch keinen Streit um die bessere Konfession. Die Wahrnehmung und Akzeptanz des jeweils anderen Glaubens standen im Vordergrund.
Birgit Kahler





