Die Situation ist hinlänglich bekannt: Ein Ehepaar hat sich in einer fremden Stadt hoffnungslos verfahren, doch der Mann am Steuer weigert sich beharrlich, Passanten nach dem Weg zu fragen und findet dann schließlich doch das Ziel. Wissenschaftler der Universität Ulm liefern jetzt eine Erklärung für dieses eigenartige Verhalten. Das Team um Reinhard Tomczak entdeckte, daß Männer schneller aus einem Labyrinth herausfinden als Frauen. Sie registrierten in einem Magnetresonanz- Tomographen die Gehirnaktivitäten von jeweils 12 Männern und Frauen, während diese am Computer aus einem virtuellen Irrgarten entkommen mußten. Die Männer fanden den Ausgang im Schnitt in 2 Minuten und 21 Sekunden, die Frauen brauchten gut eine Minute länger. Der Tomograph zeigte, daß bei der Navigation nur bei den Männern auch der Hippocampus der linken Hirnhälfte aktiv war. Er ist bei der räumlich-geometrischen Orientierung entscheidend beteiligt. Bei den Frauen waren nur der Scheitellappen und der rechte präfrontale Cortex aktiv – beide verantwortlich für Assoziationen und Gedächtnis. Frauen achten also offenbar bei der Autofahrt mehr auf markante Gebäude, während Männer sich an Kreuzungen und Kurven orientieren, was oft erfolgreicher ist. Noch schneller ginge es allerdings, so die Forscher, wenn man seine Frau vielleicht doch mal nach dem richtigen Weg fragen ließe.
Hans Groth





