Scheiden tut weh – manchmal im wortwörtlichen Sinne: Bei Scheidungen und Trennungen von Paaren kommt es auf dem Höhepunkt der Zerrüttung häufig zu Handgreiflichkeiten. Diese Gewalttätigkeiten gehen keineswegs vorrangig von den Männern aus, beide Partner sind zu gleichen Teilen daran beteiligt. Das ergab eine Studie über Scheidungsväter, deren Ergebnisse der Sozialwissenschaftler Gerhard Amendt von der Universität Bremen jetzt vorgestellt hat.
Die Erfahrungen, die Väter im Verlauf einer Trennung oder Scheidung machen, werden von 71 Prozent der Befragten als so überwältigend empfunden, dass sie sich sowohl im privaten als auch im professionellen Bereich nach Hilfsangeboten umsehen, ergab eine Internetbefragung von Scheidungsvätern.
Während der Trennungsphase suchten 90,4 Prozent der insgesamt 2100 befragten Männer Gespräche im Freundes- und Bekanntenkreis, um die Probleme ihrer Trennungskrise zu besprechen. Zwei Drittel der Befragten suchten während der Trennungsphase professionelle Hilfe auf. Es sei anzunehmen, dass viele Männer wegen der Trennungskrise zum ersten Mal in ihrem Leben Erfahrungen mit Hilfeangeboten im psychosozialen Bereich machen, sagte Amendt.
Bei der Wahl der Hilfeform sticht ins Auge, dass 29,3 Prozent einen Psychotherapeuten oder Psychologen aufsuchen. Damit rangiert die psychologische Unterstützung sogar noch vor der juristischen durch Rechtsanwälte mit 25,9 Prozent. Daneben gehören Familienberatungsstellen (16,6 Prozent), Jugendämter (12,4 Prozent) und Vätervereine (8,1 Prozent) zu den am häufigsten genutzten Formen professioneller Hilfe.
Andreas Wawrzinek





