Astronomisch gesehen wird YU55 in der Nacht vom 8. auf den 9. November die Erde nur um Haaresbreite verfehlen: Um 0:28 Uhr MEZ saust der Weltraumbrocken in 324.600 Kilometern Entfernung an der Erde vorbei. Er kommt unserem Heimatplaneten damit sogar etwas näher als der Mond. Es handelt sich um die engste Begegnung mit einem so großen Asteroiden seit 1976, berichtet die amerikanische Weltraumbehörde NASA. Würde ein solcher Himmelskörper die Erde treffen, wäre eine gigantische Katastrophe die Folge. Doch glücklicherweise wird YU55 mit 50.000 Kilometern pro Stunde seinen Weg durchs Sonnensystem fortsetzen: “Die Bahn von YU55 ist durch Beobachtungen sehr gut bekannt, und es besteht kein Risiko, dass dieses Objekt mit der Erde oder dem Mond kollidiert”, so der NASA-Asteroidenexperte Don Yeomans in einer öffentlichen Fragestunde auf den Internetseiten des Wissenschaftsmagazins “Science”.
Vermutlich besucht YU55 die Erde schon seit Jahrtausenden, erklärt Yeomans. Objekte seiner Größe passieren im Schnitt ungefähr alle 30 Jahre die Erde, die nächste derartige Begegnung wird im Jahr 2028 erwartet. Seit Freitag haben nun Astronomen die Gelegenheit den Asteroiden genauer zu untersuchen: Sie wollen seine Oberfläche auf bis zu zwei Meter genau kartieren. Früheren Beobachtungen zufolge ist der Himmelskörper nahezu kugelförmig und hat einen Durchmesser von knapp 400 Metern. Laut NASA ist er ein wahrhaft düsterer Brocken: Seine Oberfläche sei schwärzer als Holzkohle. Daher werde YU55 auch nicht mit bloßem Auge zu erkennen sein.
Erst kürzlich hat die NASA die Ergebnisse einer ?Volkszählung? unter den erdnahen Asteroiden präsentiert. Demnach sei die Bedrohung durch Einschläge vermutlich etwas geringer als bisher angenommen, denn die Zahl mittlerer und großer Asteroiden nahe der Erde sei deutlich kleiner als bisher gedacht. Das geht aus Beobachtungen des Infrarot-Teleskop “Wise” hervor. Die Daten deuten daraufhin, dass nun etwa 90 Prozent der erdnahen Asteroiden ab 1.000 Metern bekannt sind. Demnach gibt es davon vermutlich 981, wovon 911 erfasst sind ? und keiner von ihnen stelle in den nächsten Jahrhunderten eine Gefahr für die Erde dar. Für die Drehbücher Hollywoods gibt es aber dennoch weiterhin mögliche, spektakuläre Szenarien: Der NASA zufolge sei der weitaus größte Teil der mittelgroßen Asteroiden bisher nicht aufgespürt. Die Astronomen schätzen anhand der neuen Daten, dass es etwa 19.500 mittelgroße Asteroiden mit einer Breite zwischen 100 und 1.000 Metern nahe der Erde gibt. Diese könnten zwar bei einer Kollision nicht die Menschheit auslöschen, aber durchaus Teile der Erde zerstören.
?Irgendwann wird es definitiv heißen: Oh, da kommt Was auf uns zu?, sagt Alan Harris vom deutschen Zentrum für Luft und Raumfahrt in Berlin gegenüber bild der wissenschaft. ?Die Erde hatte in ihrer Geschichte viele Kollisionen mit Asteroiden und das wird auch immer so bleiben?. Das letzte große Ereignis, das Experten einem Asteroiden zuschreiben, war die so genannte Tunguska-Explosion, die 1908 Sibirien erschütterte. Eine Fläche so groß wie das Saarland wurde dabei verwüstet. ?Man muss sich mal vorstellen, das wäre nicht im dünn besiedelten Sibirien, sondern beispielsweise in Mitteleuropa passiert?, betont Harris. Den großen Naturkatastrophen, wie Erdbeben und Vulkanausbrüchen, steht der Mensch hilflos gegenüber. ?Der Einschlag eines Asteroiden könnte sich dagegen mit bereits vorhandenen Technologien vermeiden lassen?, so Harris. Mit einer ausreichenden Vorwarnzeit könnte beispielsweise ein gezielter Beschuss den Himmelskörper von seinem Kollisionskurs abbringen. ?Es gibt durchaus Verteidigungsmöglichkeiten, also sollte die Menschheit auch Pläne für den Ernstfall parat haben?, meint Harris.
Mitteilung der NASA wissenschaft.de – Martin Vieweg





